|
Yolk "Oralkoholika" (Yolk 2004)
|
Ein neues Yolk-Album ist immer eine schöne und erfrischende Sache, weil die innere Anspruchshaltung und der arrogante Stil-Schweinehund tief im Hirn mal treffsicher eins auf die Mütze bekommt. Wären Yolk aggressiver - oder überhaupt erst einmal aggressiv - machten sie wohl Punkrock. Aber das Trio ist liebenswürdig und ein ganz irdischer Rest dauerhaft bestehenden Hippie-Bewusstseins in dieser kalten (nicht Jahres-)Zeit. Die Jungs muss man einfach mögen, weil so vieles in ihren Songs lebensfroh und unverbraucht klingt, naiv fast, mit einer gewaltigen Energie ausgestattet.
Lest euch nur mal die Lyrics des ersten Tracks "Oralkoholika" durch, und dann die des nächsten. Nicht erst nach dem letzten Bookletblatt blitzt ein seltsam entspanntes Schmunzeln aus den Mundwinkeln, brummt der Bauch so warm (brummt?!?). Doch die Jungs haben nicht nur Texte drauf. Sie machen auch Musik.
Worum es sich dabei handelt, steht auch im Booklet, erste Seite. Im Prinzip um Rockmusik, konsequent veryolkt. So insgesamt ziemlich alternativ, mit einem leichten Schuss unvergleichlich, dazu etwas Andante und immer mal wieder Allegro. Ich wusste gar nicht, dass Remy Sträuli (dr, lead-voc, moog, mel, perc), Beat Burkhard (b, theremin, birds/frogs, wählt) und Jaro Milko (g, rhodes, back-voc, perc) meinen Sohn Franz kennen, dem sie prompt Lied Nr. 8, "Franz Gans", widmen (und sein Zwillingsbruder Willi geht leer aus…). Schön, dass es einen komploziert zu findenden Hiddentrack gibt, da ist noch mehr Musik!
Ich weiß auch, wo die ihren unbändigen Humor her haben. Hier an der Küste sitzen wir abends mit Bier vor dem Horizont und schauen die große bewegte Masse an und wie jeder weiß, reden wir nicht viel und sind immer schlecht gelaunt. Yolk sitzen abends mit Oralkoholika vor den Felsen und schauen sich die bizarren Ecken und Kanten an. Und dabei fällt ihnen stets so viel verrücktes Zeug ein. Einmal mehr beweist Remy das mit seinem Gesang. Als würde er auf den Bergspitzen sitzen, den Machine Messiah (Yes) dabei und ins Tal singen, so erschallt seine Stimme laut, hell und klar. Im Islam werden Leute mit solchen Stimmen auf die Kirchtürme gesetzt, in der Schweiz gründen sie Rockbands. Welch Glück, nicht wahr!?!
Wenn jemand Beat mit Vornamen heißt, muss er auch Beat machen. Und Jaro Milko, hat das was mit Milka-Schokolade zu tun? Der Millionen-Erbe inkognito? Na, einer muss ja die Studiostunden bezahlen.
Die CD entstand im Rahmen der Buchmesse Basel und war zunächst mit einem Comic erhältlich, diese Zeiten sind vorbei. Wie jeder weiß, verkaufen Yolk Millionen von Platten (ist das ihr Second Hand Shop in Basel?) und die Comic-Auflage ist längst in den guten Stuben gelandet. Egal, machen wir eben die Augen zu und lassen uns erbauen von versträultem Milko-Beat.
yolk.ch
VM
Zurück
|
|