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Psychedelic Underground Rock auf World in Sound Records
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Das Label World in Sound hat sich auf Psychedelic, Underground, Garage, Jazzrock, Progressive spezialisiert und veröffentlicht CDs und Vinyl von Musikern und Bands, die Ende der 60er bis Mitte der 70er Jahre Aufnahmen gemacht haben. Darunter etliche Platten, die damals nicht produziert wurden, wie so unterschiedlicher Bands wie den in San Francisco ansässigen Westcoast Rockern Gold oder den Jazzrockern Fred.
Nicht alle Produktionen darunter sind klanglich oder musikalisch perfekt. Die Aufnahmebedingungen zu damaliger Zeit waren in billigen Studios nicht ausgestattet genug. Nicht alle Musiker konnten ihre Inspiration gut umsetzen. Es hapert hier und dort. Doch die aus hochwertigem Material bestehenden CDs und LPs sind liebevoll produziert worden, jeweils mit dickem Booklet mit Band-Stories, Bildern, Bonusmaterial, die LPs mit Postern und Vinyl Single ausgestattet. Sehr gut, ausführlich und umfangreich ist die Präsentation der historischen und historisch interessanten Musik gelungen. In der Folge sollen hier einige Produktionen des Labels zusammen vorgestellt werden.
Joe Peace "Finding Peace Of Mind"
Die 10 Songs sind eine Mischung aus Psychedelic Rock und Pop. Joe Peace kann die Stimme leider nicht halten und verliert die Melodielinie häufig. Seine Songs sind nicht besonders interessant, mal abgesehen von der leicht untergehenden elektrischen Gitarre, die, wenn sie zum Zuge kommt, inspiriert rockt. Leider ist die CD, abgesehen vielleicht von historischem Wert, von keinem besonderen Reiz. Zu schlicht und grobschlächtig sind die Songs und der Gesang hat Folterqualitäten, die Lyrics ebenso. Für hart gesottene Fans.
Daniel "Phoenix"
Ganz im Gegensatz dazu ist die CD von Daniel (der mit bürgerlichem Namen Daniel Tsadik Vodianoy hieß) sehr interessant. John Wilson (dr) und Ed Van Fleet (g, b, synth, p) unterstützen Daniel, der die Songs singt und mit Cello höllisch abrockt! Das geht gut ab, ist fein produziert worden und hat zeitlosen Charakter. Daniels große Inspiration war Elvis, mit dem er auch tourte. Die 10 Songs (und 2 Bonustracks) sind 1971 geschrieben worden. Die Einspielung dauerte jedoch bis 1978, dann waren alle Songs auf Band. Der klassisch ausgebildete und tätige Musiker hat Filmmusik geschrieben und heißt heute Jason David Holt. Die stilistische Palette reicht von liedhaftem Country Schmusepop, über Rock'n'Roll und Hardrock bis Psychedelic Rock. Die Arrangements sind fein abgestimmt, das Cello Spiel kommt gut zu Gehör und ist mit seinem klaren, druckvollen und melodischen Klang stets die Krönung der Songs.
Estes Brothers "Transitions"
Die Estes Brothers stehen für Hardrock. Schlagzeuger Joe, Gitarrist John und Keyboarder Jerry kamen aus einer Familie mit 7 Brüdern und 5 Schwestern, 1966 gründeten sie die Band. 38 Musiker waren (nacheinander…) in der Band gewesen, die bis heute existiert. Als die 6 Songs für die LP aufgenommen wurden, war Jerry gerade bei der Armee, so dass neben dem Bassisten Don Smith auch Bill Marren (voc, p) zur Band gehörte. Estes Brothers hatten just einen Song im Kopf und Bill Marren hatte ganze drei, als die Band ins Studio fuhr. Auf dem Weg dahin wurden die Songs für die Aufnahmen geschrieben.
14 Tracks sind auf der CD zu hören, die 6 Studioaufnahmen, die Singleversion eines Songs,
4 Live-Aufnahmen und 3 zu Hause aufgenommene Songs. Die Soundqualität ist gut bis ausreichend, stets genießbar. Der Hardrock der Band ist liedhaft. Die Gitarrensoli wälzen sich kraftvoll durchs Geschehen. Sehr angenehm sind die lyrischen und melodischen Balladen. Erstaunlich, wie wenig fein und anstrengend der Unterschied im Klang der einzeln aufgenommenen Blöcke ist, das ist recht unsensibel abgemischt, durch die zumeist recht sanften Songintros aber zu verkraften. Ein gutes Album mit Abstrichen. Für Hardrocker und Sammler obskurer, schräger historischer Rockmusik.
The Id "The Inner Sound of the Id"
Ein ganz besonderes Album! Beat, Rock und Psychedelic erfahren hier eine sehr eigene, dynamische und sehr gut gemachte Mischung. Jerry Cole (g, voc, Sitar), Don Dexter (dr, voc), Glenn Cass (b, voc) und Norm Cass (g, voc) hatten 10 Songs auf der LP. 9 sehr kurze, beatlastige Songs, die aber gewitzte und gut gespielte Ecken und Kanten haben. In jedem Song gibt es bemerkenswerte Überraschungen, die jeden einzelnen Song zu etwas ganz besonderem machen. Das letzte Stück ist über 10 Minuten lang und eine einzige schräge Psychedelic Orgie mit Sitar-Klängen. Zu den 1966/67 aufgenommenen Albumtracks sind 10 Bonusstücke auf der CD zu hören, teilweise alternative Einspielungen, aber auch weitere Songs, die qualitativ den Albumtracks in nichts nachstehen. Ein Highlight auf World in Sound, allen Beat und Psychedelic Interessierten unbedingt ans Herz zu legen!
The Head Shop "The Head Shop"
Auch die New Yorker The Head Shop haben starke Songs geschrieben. Ihr gleichnamiges Album aus dem Jahr 1969 zeigt, dass die Band an schrägen Ideen außerordentlichen Gefallen fand. Flöte, Farfisa, Hammond und die prägnanten Klänge der Violine brachten den im großen Feld von Beat, Hardrock und Psychedelic angelegten Songs den besonderen Kick. Starker Gesang und allerlei extravagante und ausgefallene kompositorische Ideen überraschen immer wieder. "Listen With The Third Ear", "Opera In The Year 4000" oder "Prophecy" sind nur drei Beispiele dafür, mit welchem Witz The Head Shop jonglierten. Ihre Beatles Cover kann man nur ironisch nehmen, vor allem das überschmalzte "Yesterday". "Revolution" mit Tablas und Fuzz Guitar im Vergleich dazu ist eine starke Heavynummer. Die LP war mit den 9 Song recht kurz ausgefallen, schön, dass die 7 Bonustracks dazugekommen sind, die zwar nicht so ausgefallen, aber immer noch höchst unterhaltsam sind. Die gerade einmal 2 Minuten langen Songs sind liedhafter, im Anschluss an die LP-Tracks aber wie der verlängerte Arm des humorvollen Albums. Und das Poster spricht Bände: Sex sells, das galt schon immer!
Stoned Circus "Revisited"
Ende der 60er, Anfang der 70er waren Stoned Circus eine der angesagtesten und erfolgreichsten Bands in Kansas City. Manchmal war die Band 7 Tage die Woche ausgebucht. Sie spielten mit vielen großen Bands; Johnny Winter, Rick Derringer, Joe Cocker, Mick Fleetwood und Ian Anderson stiegen zur Jam zu ihnen auf die Bühne. Der DJ Phil Jay meinte, damit die Band wirklich Erfolg habe, müsse sie eine Platte aufnehmen. Mitten in den Aufnahmen verließ Keyboarder Richard VanSant Nancy Lake (voc, perc), Donny Kurtz (dr, perc) und Johnny Isom (g, voc). Joe York (key, voc) und Buddy Haney (b, voc) kamen dafür in die Band. An der Einspielung der 10 Songs waren jeweils die alte und die neue Band beteiligt. Soul und Heavy Rock waren die Grundpfeiler von Stoned Circus. Technisch waren sie bestens gerüstet und durch die etlichen Auftritte in Clubs und Bars perfekt aufeinander eingespielt. Auf 35 Minuten brachte es die Platte, Bonusmaterial gibt es nicht, so dass nur die originalen Tracks zu hören sind. Damals klangen viele Bands wie Stoned Circus, an der Westküste der USA. Der Sound war angesagt, aber in Kansas City waren sie die Heros. Das ist auf der Platte in den 10 Songs gut erhalten geblieben. Etwas Jazz, ein wenig Blues mischt sich in den Sound, teilweise meine ich, eine gewisse Nähe zu den Allman Brothers herauszuhören. Der traditionelle Blueshit "Baby I'm gonna leave you", den Led Zeppelin zum Welthit machten, bekommt hier im Zeppelin nahen Arrangement als "Gonna Leave You" ein anderes, leisere Gesicht. "Revisited" ist ein fabelhaftes Rockalbum. Nicht nur für Historiker!
Freeman Sound (and friends) "Heavy Trip"
Der Titel sagt alles. Die im Nordosten Ohios in den USA gegründeten Freeman Sound spielten Heavyrock der ersten Stunde. Das hat sicher nicht den Ansatz eines Vergleichs zu Endsiebziger Hardrockbands, ist aber durch seinen einzigartigen und frischen Klang in den Fuzz Gitarren und der grandiosen Rhythmusfraktion vom feinsten. Allerdings gilt es, einen Abstrich zu machen: das 17-minütige "Heavy Trip #70" ist ein unausgegorener Mix aus Geplapper und Musikfetzen, der einfach seltsam geschnipselt und unfertig klingt. Ein psychedelischer Versuch, der langweilt und nach hinten losgeht. Obwohl die Band sicher an dem kruden Werk viel Spaß hatte. Das überträgt sich leider nicht. Es gibt jedoch genügend Songs auf der CD, die anderen 11 sind, mal Ballade, mal Rocker, zwar ein wenig unausgegoren im Arrangement, aber dafür umso schräger und abgefahrener. Garage Underground, schön heavy, psychedelisch und in eigenartig faszinierendem Sound.
Trevor McNamara "Yeah Captain"
"Yeah Captain" ist der vollendete Solotrip des Musikers und Malers Trevor McNamara. Hier ist alles selbst gemacht. Die Aufzählung der von Trevor gespielten Instrumente würde den Rahmen sprengen. 19 Songs bringen es auf 40 Minuten, die kurzen Tracks sind erstaunlich modern, so spielen heute die Bands im Alternative Rock. Liedhaft, lyrisch, aber mit harten Gitarren und heftiger Rhythmusarbeit. Schön gemacht, und typisch amerikanisch. Folk, Jazz, psychedelisch wilde Abgedrehtheiten - das klingt trotz der Vielseitigkeit sehr rund und wohl überlegt. Seine Bilder im Booklet sowie die Gestaltung des Covers sprechen die gleiche Sprache, hier ist ein inspirierter Künstler am Werk, der unvergleichlich und mit Sinn und Verstand arbeitet. "Yeah Captain" wird gewiss keine Medaillen gewinnen, aber es ist ein echtes Highlight im World in Sound Katalog. Die meisten Solotrips selbst hochbegabter Musiker sind böse Reinfälle, dieses abgefahrene Teil wird Rockgenre übergreifend seine Fans finden, das ist sicher. Tipp!
Dragonwyck "Dragonwyck"
Die bösen Buben von Dragonwyck zeigen den dicken Daumen! War wohl damals schon cool, doof zu tun. Als Band haben sie sich besser angestellt. Auf der CD gibt es 2 Blöcke, die Dragonwyck Recordings von 1970 und die Sunrise Recordings aus dem Jahr 1968, teilweise überschneiden sich die Songs dabei. Die Story der Band, die als Sunrise begann und, genau, als Dragonwyck weiterführte, ist anschaulich im Booklet nachzuvollziehen. Die Band klingt wie die Doors auf Dope mit allen damit einhergehenden verlangsamten Bewegungen. Angenommen, sie hätten ihre Songs dynamischer und schneller gespielt, wären sie sicher erfolgreicher und bekannter geworden. So werden sie wohl nur die Lieblinge der Psychedelic Freaks alter Schule werden, vielleicht auch der Doors Hardcore Sammler, wenn die davon Wind bekommen. Die Stimme von Bill Pettijohn hat Ähnlichkeit zu der von Jim Morrison, doch seine Art des Singens ist viel ähnlicher. Die Gitarre kommt mit grandiosem Fuzz Sound und die Rhythmuscrew untermauert die Songs manisch mit heavy Getrommel. Die 1968er Aufnahmen sind kein Stück weniger interessant als die von 1970. Die Songs wirken sogar eine Spur besser arrangiert und etwas weniger versponnen und kommen schneller und konkreter zur Sache. Ein Album für Fuzz und Psychedelic Süchtige, und natürlich für historisch Interessierte. Schönes Teil, vor allem im zweiten Part (Sunrise Recordings).
Mystic Siva "Mystic Siva"
110% hat die Band 1967 gegeben und alle Energie in die Einspielung der 11 Songs ihres Albums gesteckt. Al Tozzi (g), Dave Mascarin (Leader, dr, voc), Marc Heckert (org, voc) und Art Thienel (b, voc) spielten Psychedelic Rock. Die Gitarre kratzt heftig über die Songs, klagender Gesang transportiert die Texte, die Orgel unterlegt den Sound mit schmachtend fetten, psychedelischen Tönen. Die nachdenklichen bis heavy rockenden Songs sind versponnen und lyrisch und haben markante Grooves. Langsam schweben die Tracks vorüber, die Orgel röhrt, die Gitarre kratzt unisono dazu. Die Songs sind nett komponiert, haben aber wenige Überraschungsmomente und sind voll songorientiert. Das kann man sich gut antun, ohne aber wirklich in den Bann gerissen zu werden. Musik für Psychedelic Fans, die abgefahrene Sixties Sounds lieben. Im Nebenbeihören eine angenehme, seltsam gemixte Sache, hin und wieder bricht die Band schließlich auch aus dem Dämmer aus und rockt wilder und heftiger, dann geht es gut zur Sache. Aber dann hängt die Gitarre im Off und der Sound hinkt. Ein Manko, das nicht alle Songs einschränkt, aber hin und wieder in Kauf genommen werden muss.
Das Label World in Sound steht für hochwertige, liebevoll produzierte Scheiben. Die CDs haben feine, schöne, die LPs zudem edle Verpackungen, die allein schon das Interesse wecken. Eine Menge Arbeit steckt da drin. Gut, dass es engagierte Labels und Leute gibt, die sich voll reinknien. Weitere Releases sind angekündigt, längst ist das Genre nicht ausgeschöpft und etliche andere Aufnahmen gewiss vieler Bands und Musiker liegen auf verstaubten Böden in Regalen herum. Wer weiß, welche Schätze es noch zu entdecken gibt!
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