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Das Wave Gotik Treffen 2006, Pfingsten 2006 in Leipzig
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Masken, Uniformen, neue Locations
Es war eigentlich ein kleines Jubiläum, das diesjährige 15. Wave Gotik Treffen. Am Donnerstagabend - vor dem offiziellen Treffenbeginn - fand aus diesem Anlass ein Ball statt. Wer allerdings erst am Freitag anreiste, spürte rein gar nichts vom Jubiläumstreffen. Was überhaupt nicht schlimm ist, da das Angebot jedes Jahr aufs Neue "Jubiläumsdimensionen" erreicht. Um die 170 Künstler an über 20 Veranstaltungsorten sprachen auch 2006 eine überzeugende Sprache. Da noch zusätzliche "Extra-Veranstaltungen" anzubieten, macht realistischerweise keinen Sinn. Und so erfreute sich das schwarze Volk an den vielfältigen musikalischen Programmpunkten, mehr noch aber an dem einmaligen Treffencharakter. Dieser findet seinen Ausdruck u.a. in der mit schwarz gekleideten Menschen voll gestopften Straßenbahn, in der man mit der Nebenfrau/dem Nebenmann schnell mal ins Gespräch kommt, was im "normalen" Leben kaum passieren würde. Allerdings sind die Erlebnisse in dem öffentlichen Verkehrsmittel nicht immer nur angenehm. Da die schwarze Szene nichts anderes ist als ein Querschnitt der Gesellschaft, trifft man immer auch auf grölende Chaoten mit unterdurchschnittlicher Anzahl von Hirnwindungen. Aber man muss ja nicht ewig Straba fahren und so hat man derartige Episoden eigentlich schnell wieder vergessen.
Das WGT ist immer auch eine Art schwarzer Laufsteg. Es geht darum, sich und sein Styling zu präsentieren. Das war selbstverständlich auch 2006 wieder so. Die diesjährigen Trends waren Masken in allen möglichen Formen, Armeeuniformen und vermehrt Irokesenfrisuren. Auch die Farbe rot hat mehr Liebhaber gefunden. Insgesamt ist die Anzahl der extrem aufwändig gestylten Besucher aber vergleichsweise zurückgegangen. Vielleicht lag es am Wetter, das viele Wünsche offen ließ. Zum Glück ist das WGT jedoch kein Open-Air-Festival. Außer der Parkbühne findet alles im warmen, überdachten Ambiente statt. Neben den altbewährten Orten wie Agra-Halle, Werk II (erneut zu klein für Auftritte wie den von Combichrist) und Moritzbastei hatten die Veranstalter neue und vor allem ansprechende Locations aufgetan. Der Kohlrabizirkus etwa, der mit seinem Rund tatsächlich an einen Zirkus erinnert und von der Dimension her Platz für mehrere Tausend Menschen bietet. Ebenfalls rund in seiner Form ist der Volkspalast. Ansonsten aber vollkommen anders: viel kleiner als der Kohlrabizirkus und mit seinen Säulen und der riesigen Kuppel auch in einer anderen architektonischen Liga spielend.
Das musikalische Programm kann hier angesichts des gigantischen Umfangs nur andeutungsweise wiedergegeben werden. Definitive Besuchermagneten waren erwartungsgemäß das Reunionkonzert von Nitzer Ebb (älter geworden, aber immer noch verdammt EBM-ig), die Auftritte von VNV Nation (die Konsensband der Szene brachte die Agra-Halle zum Überkochen), Lacrimosa und Deine Lakeien (die Szene-Urgesteine), Combichrist (einer der angesagtesten Electro-Acts derzeit), der Mittelalter-Fraktion am Montag einschließlich der Cantus-Buranus-Aufführung von Corvus Corax. Aber auch vermeintlich kleinere Acts fanden ihr dankbares Publikum: Anubiz (erinnerten an Nightwish), Limbogott (sehr geiler Punk'n'Rock-Electro), Agonoize (viel Kunstblut und andere leckere Flüssigkeiten spritzten in die vorgewarnten ersten Reihen) und Lola Angst (großartige Ironie an einer Orgel!). Für DIE Gänsehaut des Treffens sorgte milu, (Anke Hachfeld, die Ex-Sängerin von Mila Mar) im Völkerschlachtdenkmal: Eine einmalige Stimme in einmaliger Umgebung.
Die Aufzählung ließe sich nahezu unendlich fortsetzen. Fakt ist, dass man Leipzig an Pfingsten einfach live erleben sollte. Wer einmal in Leipzig war, kommt immer wieder, selbst aus Übersee. So ist die Besucherzahl seit ein paar Jahren mit ca. 20.000 relativ konstant. Und im Forum auf der WGT-Website läuft bereits der Countdown: noch 348 Tage bis zum WGT 2007…
Text: Stefan
Fotos: Cordelia
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