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Leipzig zu Pfingsten: Back in black
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Rückblick auf das 14. Wave-Gotik-Treffen 2005
Wochen-, ja monatelang freuten sich die Liebhaber der gotischen Kultur auf ihr Treffen. Leipzig war zu Pfingsten zum vierzehnten Mal für vier Tage in schwarz gehüllt. Vier Tage, die für die 20.000 WGT-Besucher wie im Fluge vergingen. Das lag zum großen Teil an dem gigantischen Programm, das auch in diesem Jahr wieder geboten wurde. Erneut haben die Veranstalter eine Organisationsleistung der Extraklasse vollbracht - man bedenke nur, wie viele verschiedene Spielstätten es zu koordinieren gilt. Einige der ganz subjektiven Höhepunkte lässt ragazzi an dieser Stelle noch einmal Revue passieren.
Auf der kleinen Bühne vor dem Zeltplatz wird bereits am Freitagnachmittag Rabatz gemacht. Jim Beam ist vor Ort und veranstaltet eine Karaoke-Show mit aufgeblasenen Luftgitarren. Und so schütteln drei junge Männer zu Depeche Modes "Personal Jesus" ihre langen Mähnen. Sehr lustige Idee, die einmal mehr beweist, wie viel Spaß man auf dem "düsteren" WGT haben kann.
Dann ist es höchste Zeit für eine erste Szene-Legende: Girls Under Glass. Die Jungs sind so gut drauf, dass man sich fragt, warum es diese Band immer noch nicht zu den ganz Großen geschafft hat. Im Gegensatz zu Apoptygma Berzerk, die eine rappelvolle Agra-Halle mühelos zum Kochen bringen. Die Fans sind begeistert, auch wenn die Band wegen Computerproblemen mit über dreiviertelstündiger Verspätung beginnt. Das Best-Of-Programm war mehr als eine Versöhnung.
Zu ganz später Stunde gegen 1 Uhr noch ein echter Knaller: Die Krupps spielen nach Jahren mal wieder live und feiern in Leipzig ihr 25jähriges Bestehen. Das tun sie und ihre vielen Fans wirklich exzessiv, der eine oder andere blaue Fleck in den vorderen Reihen muss da schon mal in Kauf genommen werden. Sänger Jürgen Engler ist keinen Deut ruhiger geworden, man merkt ihm und seinen Kollegen an, wie sehr sie sich freuen, endlich wieder auf der Bühne zu stehen.
Der zweite Treffentag ist verregnet. Dennoch grandiose Stimmung zwischen Regenschirmen, etwa bei ASP und Das Ich in der Parkbühne. In der Agrarhalle feiern die Fans Spetsnaz, Zeromancer und Hocico nicht weniger euphorisch, wobei Letztere schon bessere Shows gespielt haben. Enttäuschend dann das Mitternachtsspecial des zweiten Tages mit Visage (ihr größter Hit: "Fade To Grey"). Ein Besucher: "Wenn sie nicht Visage hießen, würden die nicht einmal zur Baumarkteröffnung spielen dürfen."
Am Sonntag, dem Tag 3 des Treffens, stand das Werk II ganz im Zeichen der härteren, noisigen Sounds. So gab es bei Xotox, Kiew und Dive im Stroboskopgewitter ordentlich was auf die Ohren. Leider konnten nicht alle, die gern wollten, in die elektronischen Genüsse kommen. Die Wartezeiten am Eingang betrugen teilweise zwei Stunden.
Ähnlich lange musste man sich gedulden, um in den Cinestar oder in das Schauspielhaus zu gelangen. Im Kino gab es neben mehreren DVD-Premieren u.a. eine kurzweilige und humorvolle Lesung von Oswald Henke. Der Mastermind von Goethes Erben erzählte kurz vor seinem Auftritt im ragazzi-Interview, dass er nach wie vor die einzigartige Atmosphäre des WGT liebt und immer wieder gern nach Leipzig kommt (das komplette Interview demnächst hier auf ragazzi-music.de).
Wer es schließlich ins Schauspielhaus geschafft hat, konnte u.a. die traumhaften Klänge von Love Is Colder Than Death genießen. Die Leipziger Band bot neben der meditativ-rituellen Musik (erinnerte an Dead Can Dance) auch wundervolle Videosequenzen zwischen abstrakten Spielereien und kleinen Animationsgeschichten.
Das WGT ist etwas Besonderes, weil es eben weitaus mehr offeriert als "nur" Musik. So besorgen sich Viele in Leipzig ein neues Outfit. Das Shopping-Angebot ist speziell in der Agra-Halle riesig.
Nach dem Einkaufsbummel ist es nur ein Katzensprung nach nebenan, wo Diary Of Dreams nach einem kleinen technischen Problem eine begeisternde Show abliefern.
Am letzten Tag steht die Moritzbastei mit ihrem Mittelaltermarkt bei Vielen (noch einmal) auf dem persönlichen Treffenprogramm. Inmitten allerlei feiner Düfte (gebratenes Gemüse mischt sich mit Rauchwerk mischt sich mit Met), erfreuen hier mittelalterliche (Live-)Klänge das Ohr. Da das Programm aber auch noch am letzten Tag prall gefüllt ist, kann man hier nicht ewig verweilen - obwohl es wunderschön ist. Die nächsten Station ruft: die Parkbühne. Im Sonnenlicht rocken hier die Jungs von NFD, und das überzeugender als auf ihrer jüngsten Tour mit Umbra Et Imago. Deutlich hört man die Fields-Of-The-Nephilim-Vergangenheit. Als schöner Kontrast dazu betreten danach Qntal die Bühne. Mit ihrer genialen Symbiose aus alter Musik und modernen Sounds versetzen sie so manchen Besucher in einen tranceartigen Zustand.
Der anschließende Weg zum Werk II ist kurzweilig, es gibt viel zu sehen. Die schöne Architektur Leipzigs und natürlich phantasievoll gestylte Menschen.
Im Werk II erklingen die letzten Töne von Angels & Agony. Die Zugabenrufe verhallen leider ungehört. Dann steht mit Dance Or Die ein weiteres Szeneurgestein auf der Bühne. Auch wenn Sänger Wagner in die Jahre gekommen ist, kann er noch immer Vollgas geben. Die Beats knallen, so macht Electro Spaß. Darüber, was außer den Vocals live performt wurde, durfte spekuliert werden.
Im Anschluss gesellten sich zu den elektronischen Klängen Gitarren. The Invincible Sex waren nicht nur laut, sondern überzeugten auch durch einen zweistimmigen Gesang.
Fazit: Neben den rund 170 (!!) aufgetretenen Bands zogen Lesungen, Filmvorführungen, das Heidnische Dorf und der Mittelaltermarkt auf der Moritzbastei die Gothics an. Darüber hinaus wurde das Treffen wieder sehr wörtlich genommen: Alte und neue Bekannte saßen auf dem Treffenzeltplatz, in Leipziger Cafés und Restaurants zusammen, um zu reden und - jawohl - zu lachen. Entgegen aller Klischees wollen nämlich die meisten Gothics in Leipzig Spaß haben. Und das wird auch 2006 wieder der Fall sein.
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