WELLE: ERDBALL - NUR TOTE FRAUEN SIND SCHÖN

(Warnung! Es folgt eine lautmalerische Beschreibung der "Musik":)
Fiep-piep-plopp-popp-poing-umpf-bumm-bummpf-knarz - (dazu:) Lalalala-Tralala-Trulala. Und alle singen mit: "Tausend weiße Lilien blühen - tausend Mal denk ich an dich - tausend wundervolle Leben warten nur auf dich - tausend Mal will ich dich spüren - tausend Mal werd ich verrückt - tausend Mal für meine Liebe hol ich dich zurück"!
Willkommen bei 'Welle: Erdball'! Hier gibt es einmal mehr das Leidigste der Vergangenheit wiederaufbereitet für die Gegenwart. Garantiert exklusiv und unverhofft.
Dass solche Musik mit derartigen textlichen Dreingaben einmal entstehen konnte oder dass es sie nun - mitsamt Publikum - wieder gibt: Es fragt sich, was mehr verwundern soll?
Zumindest partiell muss der Zeitgeist gestört sein, wenn er sich so schamlos selbst zitiert. Die 80er mit ihrem Elektro-Pop - in verdrängenswertester Ausprägung als deutscher NDW-Schlagerschmunz - waren sicherlich eine der fatalsten Geschmacksverdunkelungen seit der Entstehung des Kulturmülls (frei nach Adorno): Die "Künstler" - überwiegend schwarzgewandete- und bebrillte, frisurenfeindliche Männchen in Neonlicht - waren so besessen davon ein modernes Lebensgefühl zu besitzen und es allen vorzuführen, dass ihnen der schiere Treppenwitz-Charakter ihres Verhaltens gänzlich verborgen blieb.
Bei DAF, Ideal, Kraftwerk usw. mag die Gesellschaftskritik in ihrer künstlerischen Attitüde vermischt mit kindlicher Naivität wenigstens noch einen Restanteil Charme gehabt haben. Bei 'Welle: Erdball' handelt sich lediglich um eine Imitation ("Hommage" wäre zu euphemistisch), in der Stilmittel, aus ihrem Zeit- und Sinnkontext gerissen, letztlich ausgehöhlt werden. Und so kabbelt sich penetrantes C64-Pacman-Soundgefiepe mit lyrisch wie humoristisch schlicht indiskutabler Meinungsäußerung ("Ich schau sie an - sie schaffen nichts - fressen, saufen, stören mich - und denken noch dabei die Krone der Schöpfung zu sein..."). Letztere auch noch passions- da stimmlos vorgetragen.
Eine beruhigende These zum Schluss: die Gesellschaft im Jahre 2003 ist ohne Zweifel in perfekter Verfassung, wenn die "künstlerische" Gegenwelt zu ihr so klingt wie "Nur tote Frauen sind schön".


Teaser:

Benjamin



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