Das 13. Wave Gotik Treffen Pfingsten 2004 in Leipzig

Logistische Herausforderung für Gruftis

Leipzig an Pfingsten: Schwarze Gestalten in den Straßenbahnen, schwarze Gestalten in den Restaurants, schwarze Gestalten auf den Straßen. Seit nunmehr 13 Jahren feiert die dunkle Szene ihr Familientreffen in der ostdeutschen Messestadt. Auch dieses Jahr zog es wieder 19.000 Gothics in das Gruft-Mekka, um die weltweit einzigartige, viertägige Party zu feiern. Das Stimmengewirr in Leipzig war an diesem langen Wochenende noch bunter als sonst, schließlich kamen etwa ein Drittel der WGT Besucher aus dem Ausland.
Die über die gesamte Stadt verteilten 12 Bühnen plus weiterer Veranstaltungsorte boten ein vielfältiges Programm, das bei seiner enormen Fülle von jedem Gothic eine logistische Meisterleistung abverlangte. Hin und her pendelnd zwischen agra-Gelände, Haus Leipzig, dem Völkerschlachtdenkmal und Haus Auensee konnte man nicht nur zwischen 154 Bands, sondern außerdem zwischen Filmvorführungen, Lesungen, mehreren Diskos und Autogrammstunden wählen. Im Heidnischen Dorf mit seiner wundervollen mittelalterlichen Atmosphäre versetzten Ritter, Handwerker und Musikanten die Besucher ein Jahrtausend zurück. Auch die Moritzbastei hatte sich jener Zeit verschrieben, während das Werk II am Samstag ganz andere Prioritäten setzte und alle Fetisch-Liebhaber zur "Obsession Bizarre" lud. T.H. Industry spielten hier live, eine Fetisch-Modenschau stellte die neuesten Szene-Kreationen vor und "Die kleine Gruftschlampe" regte mit ihrer Performance so manch heiße Phantasie an.
Das musikalische Credo des WGT lautet seit Jahren: Statt auf große Namen, die auf jedem Festival spielen, auf eine feine, exklusive Künstlerauswahl zu setzen und so der Idee eines Familientreffens auch musikalische zu entsprechen. Das gelang in 2004 erneut, selbst wenn einige "Große" wie Anne Clark (nach Jahren übrigens wieder mit David Harrow auf der Bühne), Camouflage und Ex-Kraftwerker Karl Bartos dann doch dabei waren. Als Highlights hervorzuheben sind auf jeden Fall die Auftritte von Electro-Legende The Klinik (Wer wusste überhaupt, dass sie noch existieren?), Suicide Commando und [:SITD:], die angesichts der unglaublichen Stimmung in der agra-Halle kaum aus dem Staunen herauskamen. Die Mittelalter-Fraktion von Schandmaul bis Corvus Corax bildete - nun schon traditionell - den montäglichen Treffen-Abschluss in der agra.

Die vier schwarzen Tage in Leipzig waren sowohl für alle Besucher als auch die Organisatoren ein voller Erfolg. Es gab kaum Grund zur Kritik: von den vielen eingesetzten Straßenbahnen über die freundliche Security bis hin zu den genialen Grufti-Shopping-Möglichkeiten stimmte alles. Und auch die Sonne scheint immer mehr ihr schwarzes Herz zu entdecken. Zwar zeigte sie sich in diesem Jahr nicht ganz so kraftvoll wie vor 12 Monaten, für die eine oder andere gerötete Grufti-Haut hat's aber gereicht.


Stefan




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