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Vladimir Badirov Project "Greeting From Nostradamus" (Unicorn Records 2004)
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Globalisierung kann nicht nur ein negativ besetzter Begriff sein. Allein die weltweite Vernetzung durch das Internet mit seinen schier grenzenlosen Kontaktmöglichkeiten (mit allen negativen Seiten) ist eine großartige Sache für alle, die es positiv zu nutzen wissen, oder?!
Aber auch ganz andere Dinge kommen im Zuge der (seit mindestens schon 90 Jahren andauernden) Globalisierung zur Entwicklung. Die Rockrevolution hat spätestens seit Beginn der 1960er Jahre die ganze Welt infiziert. Russland, Afrika und selbst China nicht ausgenommen. Der Nachwuchs verliebte sich zur gleichen Zeit überall weltweit in diese wilden neuen Töne, in Sibirien wie in London. Und nachdem glücklicher Weise der eiserne Vorhang Geschichte ist und die europäischen stalinistischen Diktaturen abgekratzt sind, sind Beat, Rock'n'Roll und Jazz auch aus über 60-jährigen Köpfen nicht mehr wegzudenken. Wer einmal das Fieber spürte, den ließ es lebenslang nicht los. Was für eine schöne Sucht!!!
Das Vladimir Badirov Project ist ein Kind der Rockrevolution. Hier vereinen sich traditionelle usbekische Folklore und Rockmusik zu einem sehr lebendigen, lebhaften Sound.
Vladimir Badirov (der auch schon mit Peter Gabriel gearbeitet hat) ist Schlagzeuger, scheut sich jedoch nicht davor, parallel mit Drummachine zu arbeiten und so einen flotten, oftmals gar Dance-Sound zu kreieren. Eingespielt wurden die Songs in Taschkent, der Hauptstadt von Usbekistan (viel tiefer in Asien als der Iran, nicht alles ist dort Diktatur!).
Doch wo sonst dämliche Dance-Rhythmen alles kaputt kloppen, bringt die Exotik der Folk-Motive im Rockgewand die ideale Voraussetzung gerade dafür. Und längst sind die Dance-Rhythmen nicht billiger Lärm, sondern differenziert ins Soundgewebe verschlungene Töne und kein schlichter Nerventod. Die meisten Stücke sind jedoch mit einem bebenden Rockrhythmus samt ausgeflippter Percussion eingespielt worden, teilweise hat die Band um Vladimir Badirov moderne und heftige Jazzrock-Harmonien in die Tiefe der Songs integriert. Vor allem die improvisativen und solistischen Parts sind stark, wenn auf einem Folk-Motiv mir Rockrhythmus elektrische Gitarre und Ud sich gegenseitig die Spielbälle zuwerfen und im solistischen Gegenspiel entwickeln. Das ist fantastisch!
Die Musik verrät unendliche Lebensfreude, Natürlichkeit und eine Lust am Musizieren, wie sie vieler Orts schon längst verreckt ist. Flöten und Geigen, Tanbour und Sato, Karnay und Nay, Ud und Chang-Auz, Klarinetten und Trompeten schlendern durch einen musikalischen Garten, der allerliebst ist. Das klingt schon mal wie auf einem asiatischen Wochenmarkt. Eine sehr bildhafte Musik mit viel Lyrik und Vitalität und gewiss keinem Stück Starre. Alles ist lebendig und virtuos.
Einige Songs sind stärker rockgeprägt. Da kann schon mal ein symphonisches Motiv episch durchbrechen und sphärisch zerfließen, ein Gitarrensolo dynamisch losrocken oder psychedelische Klanglandschaften für radikale Sounds sorgen. Doch "Greeting From Nostradamus" ist ein harmonisches Werk. Weder gibt es hier schräge, laute oder disharmonische Attacken, noch ausgeflippte Motive. Diese Songs fußen auf uralter Folklore, übersetzt in eine moderne, faszinierende Musiksprache. Alles klingt natürlich und lebensnah, nichts ist abstrahiert.
Unicorn Records beweisen mit Vladimir Badirov mal wieder ein geschicktes Händchen. Bleibt zu hoffen, dass die eingefahrenen Gehörgänge sich auf dieses Abenteuer einlassen - und das kann ich nur empfehlen!
unicornrecords.com
VM
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