VISIONS Spring Break Tour, Live am 20.04.2006 im Star Club Dresden

Frühlingsfest der britischen Rockmusik


Mit dem Frühling kommt der Rock - das zumindest könnte als Botschaft hinter der vom Musikmagazin Visions angezettelten 6-Tage-Tour stehen. Vier britische Combos an einem Abend forderten vom Publikum fast Festivalstehvermögen. So ein bisschen war die Bandauswahl dabei wie das Wetter im April, wobei Archive stilistisch am meisten aus dem Rahmen fielen.
Doch der Reihe nach.
Pünktlich eröffnete mit den Duels eine hierzulande noch recht unbekannte Truppe den rockigen Reigen. Sie gaben sofort Vollgas, und das obwohl die Reihen vor der Bühne noch recht überschaubar waren. 20 Uhr ist eben nicht die übliche Konzertzeit. Sänger Jon Foulger wirkte etwas zu pathetisch und selbstverliebt, schaffte es aber, gesanglich zu überzeugen. Die Duels erspielten sich mit ihrer Mischung aus nach vorn gehendem Garagenrock und dem Pathos der Manic Street Preachers durchaus Pluspunkte. Was auf den nicht wirklich coolen Mantel des Sängers nicht zutraf. Man darf in jedem Fall gespannt sein auf das hoffentlich bald auch hierzulande erscheinende Album.
The Kooks nennen sich vier Jungspunde aus Brighton, deren Debüt in Englands Charts auf Platz 9 steht. Sie waren als nächste dran und konnten, anders als ihre Vorgänger, bereits auf einen gewissen Bekanntheitsgrad in deutschen Landen bauen - offensichtlich aber doch eher in ihrer eigenen Altersgruppe. Die um die 20-Jährigen schrammelten recht ungestüm drauf los, wirkten in ihrem Auftritt aber doch weniger authentisch als die Duels. Lag es daran, dass sie sich ein wenig wie die nächsten "arktischen Affen" fühlen? Auch wenn die Attitüde ein wenig gekünstelt herüberkam, boten die musikalischen Ansätze durchaus Spannendes. Ein bisschen Reggae hier, ein bisschen Soul dort. Und am Ende dennoch der (Rock-)Tritt in den Arsch. Die Jungs haben Potential.

Band Nummer drei waren The Zutons, die am Ende möglicherweise sogar der bessere Headliner gewesen wären. Einfach großartig, mit welcher Intensität sie ihr explosives Rock-Pop-Soul-Jazz-Gebräu in den Saal schleuderten. Obwohl die Assoziationen eindeutig Richtung Retro gingen, passierte da etwas ganz Eigenes. Daran hatte Abi Harding am Saxophon einen nicht unwesentlichen Anteil. Und dann der immer wieder auftauchende mehrstimmige Gesang. Große Band, die mit Sicherheit im Laufe des Jahres noch für größere Schlagzeilen sorgen wird.
Erst fast gegen Mitternacht betraten Archive die Bühne. Mit ihrem atmosphärischen Progressive Rock, angereichert mit TripHop-Elementen, lockten sie die etwas ältere Zielgruppe in die ersten Reihen. Geniale Musiker allesamt, zelebrieren sie jedes ihrer Stücke bis in die letzte Note. Und das kann dann schon mal gut und gern 15 Minuten dauern. Ein bisschen erinnert man sich bei Archive immer an Pink Floyd, nicht zuletzt auch wegen des gewaltigen Pathos. Da steht der eine oder andere Besucher schon mal mit offenem Mund da, wobei stimmungsmäßig bei den beiden Bands vorher mehr los war. Aber das lag an der Natur der (musikalischen) Sache; vielleicht aber auch am Alter des Publikums in den ersten Reihen.
Erst nach ein Uhr ging's nach Hause. Und angesichts der fast lauen Frühlingsnacht kann es nur ein Fazit geben: Mit dem Rock kam der Frühling.

Text: Stefan
Fotos: Katja Zadnicek



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