|
Vikings Invasion "Vol. 1" (Penthouse Records 1975/Garden of Delights 2006)
|
Tatsächlich nannte sich das Schweizer Hardrocktrio Dreieinigkeitsmoses, schon das ein, ja, schräger Name, weil es, erfolgreicher Konzerte in Basel wegen, vom Melody Maker ins internationale London verschifft wurde, dem Vorschlag der Plattenfirma folgend in Vikings Invasion um.
Als die Band im großen Britannien ankam, musste eine Langspielplatte eingespielt werden, die noch auf dem Weg nach London, doch bereits in der Nähe der Hauptstadt, angegangen wurde. "Vol. 1" nannte, ohne großes Herzklopfen, dafür mit unerschütterlichem Selbstvertrauen, die Band ihre Sammlung aus 10 rocktrunkenen Pseudobluesnummern. Es sollte das einzige Album bleiben. Ob das am Cover lag?
Sämtliche Stücke stammen aus der Feder der Band, wobei sich zumeist Gitarrist und Sänger Charles Sterchi als Komponist hervortat. Das ist nicht wirklich gut gegangen. Zwar ist in den Songs, die seine Brüder im Geiste mitgeschaffen haben, keine Qualitätssteigerung zu erfahren, eigentlich kann von Qualität, weder was Einspielung noch Klang betrifft, überhaupt keine Rede sein. Noch sind die deprimierend schlichten und technisch sehr simplen Stücke unter auch nur einen Segen gekommen.
Sterchis Gitarrensoli sind im Rausch der tonalen Orgie, will sagen, der extrem schlechten Soundqualität, kaum mehr als ein kratziges Rauschen am Horizont, während Eric Eberhard am Bass noch einen vergleichlich guten Eindruck macht. Gerhard Burri scheint jedoch nicht der Mann fürs Schlagzeug zu sein. Sein Getrommel entbehrt jegliches Technikverständnis und macht nicht viel mehr als einen, eher ungeübten, Hobbyeindruck.
Die Arrangements ihrer Songs sind so simpel, dass die Sprache die Beschreibung dafür nicht hat. Es passiert, außer wenig leidlichem Gesang und den kratzigen Gitarrensoli nichts wirklich Musikalisches. Je kürzer einer dieser Tracks, umso feiner. Da gibt es weniger zu ertragen. Schon erstaunlich, dass die Band in Basel den Melody Maker rumgekriegt hat, sie nach London zu exportieren, hat das Trio den Leuten Drogen in die Drinks getan? Oder hat die Nähe zu London seine musikalischen Fähigkeiten implodieren lassen? Saß ein unmusikalisches, nein hörunfähiges Alien an den Reglern, denen dieser entsetzliche Klang zu verdanken ist? Wird es einen weiteren Morgen geben?
Der Bonustrack, ungeschmeidige, prätentiöse 11 Minuten lang, ebenso pseudoblueslastig wie die vorhergehenden Gemeinheiten, hat indes einen besseren Klang. Zumindest ist das zwischen den Texten aufbegehrende Gitarrensolo staubfrei zu hören.
Verblüfft nehme ich zur Kenntnis, dass Garden of Delights mit seinen ansonsten musikalisch reizvollen, liebevoll ausgesuchten Reissues sich soweit in die Nesseln gesetzt haben, diese, wie gehabt ausführlich dokumentierte Veröffentlichung zu betreiben.
Aber egal, nach jeder Nacht folgt ein Morgen. Die CD ist aus. Ich schwitze. Ist das unangenehm! Aber dort, am Horizont, ein erster Lichtschein! Der Bäcker arbeitet schon an meinem Brötchen. Auch Garden of Delights werden nach einem stärkenden Frühstück neue Nuggets aus der Geschichte klauben. Na klar doch.
milestone-mailorder.com
VM
Zurück
|
|