The Vanguard Folk Rock Album (Ace Records 2005)

Die frühen 1960er Jahre waren musikalisch von zuckersüßem Plastiksound verseucht. Wie zu allen Zeiten herrschte gehypter Mainstream in den Radiokanälen. Daneben gab es aber natürlich weit mehr. Seit den 50er Jahren hatte Rockmusik für eine kulturelle Revolution nach der anderen gesorgt, die immer wieder, wie wir alle wissen, aufflammten und für Veränderungen sorgten (was längst wieder einmal fällig, überfällig ist!). Die Rocker der 50er waren die zweiten, die nach den Jazzern (seit den 1920er Jahren) diesen Rattenschwanz an soziokultureller Veränderung mit wildem Krach und gesundem Selbstbewusstsein in Gang brachten.
Die 60er standen beim fortschrittlichen Nachwuchs ganz im Stern des seit den 50ern gewachsenen "Folklore Movement", das Ausdruck im respektablen Newport Folk Festival fand. Progressive Folkacts mischten akustischen Folk und elektrischen Rock als Basis für intelligente Texte, die nichts mit Plastikpop gemein hatten und nicht nur die klugen Kids in den Bann zogen.
Eines der Labels, die Folk und ab 1967 langsam auch Folkrock veröffentlichten, war Vanguard, das neben den fortschrittlicheren Labels Elektra und Folkways existierte und wie jedes Label vor allem Interesse an Gewinn hatte. Bob Dylan unterschrieb damals zwar nicht bei Vanguard, aber Joan Baez brachte dem Label mit ihren frühen Alben großen Erfolg.
Große Namen waren damals The Vagrants, Mimi & Richard Fariña, Buffy Saint-Marie und viele weitere Solokünstler, Duos und Bands wie Patrick Sky, The Hi-Five, Ian & Sylvia, Jackie Washington, Steve Gillette, Circus Maximus, Judy Roderick, Jonathan & Leigh, The Serpent Power, Eric Andersen oder Projekt X, die hier auf dem "The Vanguard Folk Rock Album" mit Songs verewigt sind. Blues, Jazz, Rock sind hier zu hören, alles in einen oftmals akustischen oder semiakustischen Folk verwoben. Mal verträumte, melancholische Songs, dann fordern forsche Stücke oder elektrischer Beat. Viele dieser Acts, egal ob schwarzer, roter oder weißer Hautfarbe, hatten großartige Songs gesungen und gespielt. Und so gibt es hier den charmanten "Young Blues", das naive "Long Black Cadillac" oder das groovig-bluesige "Hard Lovin' Loser" zu hören. Drei der zwischen 1964 und 1968 aufgenommenen Stücke sind bisher nie auf CD veröffentlicht gewesen. Mit dem umfangreichen Booklet inklusive interessanter und ausführlicher Story um den Werdegang des Folk auf Vanguard und vielen Photos der Interpreten ist "The Vanguard Folk Rock Album" vor allem für Folkfans, Musikhistoriker und neugierige Freaks ein Leckerli.
Nicht nur für coole Sixties-Parties bestens geeignet!

acerecords.com
VM



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