The Univerzals "Ocen of Light" (The Univerzals/Koda, VÖ: 04/2009)

The Universals sind gewiss nicht die typische Prog-Band. Nicholas Hill (voc, g), Anders Honoré (saxes, effects), Troels Drasbech (dr), Ole Hylling (tr), Oliver Grønne (b) und Mogens Deenfort (key) sind vielfältig inspiriert und sie danken in ihrem Booklet einer schier endlosen Reihe von Bands und Musikern, alten Rockern, Jazzmusikern, Punkbands, Klassikern, Neue Musik Komponisten, Filmemachern, Schriftstellern - und es gibt No Thanx, da haben sie die Scheißkerle der Politikgeschichte geparkt, Nazis, Faschisten, Menschenfeinde, Nationalisten, Aggressoren, den Abschaum eben.
Sie sind ganz und gar keine typische Band. Die Basis der Univerzals-Musik könnte Ska sein, oder Jazz? Es gibt Hardcore-Reste in Brachialekstase, es gibt psychedelische Momente, ausgedehnten Jazzrock, elegische Popsongs mit starker Hookline, Neo-Country, verspielte Songs jenseits aller lähmenden Kategorie, rasante Ska-Läufe und komplexe Monsterpartien. Kurz: die Jungs spielen komplexen, aufwendigen Ska-Rock mit Jazz und Prog im Blut. Ihr vielfarbiger Sound hat düsteren Folk, lichte Spielfreude, vorderasiatische und jüdische Anklänge in sich, ist ungemein flüssig, süffig und würzig, dringt ganz schnell ins Ohr und hakt sich da fest, ohne die typischen Popmerkmale auszusprühen, sondern aufgeregt immer besser werdend und Grenzen mit Leichtigkeit schneidend.
Die 12 Songs bringen es auf 78 Minuten, die längeren haben deutlich erhabenere Kompositionen, lassen epischen Krach zu oder dröhnen wie nachwachsende Pink Floyd Jünger durch den John Cage Kosmos, schwärmen in "Ocean of Light" 10 Minuten lang durch Psychedelic Jazz wie frühe Gong, alles ist möglich, die enorme Spiellust der Band und ihr vielfarbiges Interesse gegen alle eingefahrenen Schienen machen was los. Wenn einige der kurzen Songs in ihrer markanten Eingängigkeit und Funk-trunkenen Ska-Rhythmik zu guter Laune einladen und das Tanzbein zum Schwingen bringen, fahren die Epen düstertief runter und strömen elegische Energien aus. Der Wechsel aus schneller Eingängigkeit und melancholischer Tiefe ist es denn auch, der den größten Reiz ausmacht und die Platte so kurz vorkommen lässt, aus der Musik ein kurzweiliges Vergnügen macht.
Die Band hat nicht nur Musik auf Lager, sondern auch was zu sagen. Sie nutzen ihr "Meer von Klängen", ihren "Surrealistic World Rock", Grenzen zu sprengen, ein größeres Verständnis für andere Kulturen und Religionen zu schüren, dafür, dass andere Menschen anders sind als "wir" selbst, Einsicht darin, dass nicht alles mess- und wiegbar ist, dass wir nicht alles wissen können, nicht vorschnell kritisieren mögen und dass es wichtig sei, in "dieser Zeit mit immer mehr Gleichschaltung, Materialismus, Selbstgenügsamkeit und Rassismus für Vielseitigkeit zu kämpfen, damit wir nicht alle zwangsweise massenproduzierte Höhlenmenschen in Anzug und Krawatte sein müssen".
Wer auf der Suche nach ungewöhnlicher, aufwendig gespielter Musik ist, Rock'n'Roll und Jazz mag, ambiente Sounds, düstere und irrwitzig mitreißende Klänge mag, die irgendwo aus der Weite poppunkiger Ska-Lebendigkeit kommen, Tellerränder für zu überwinden hält und neugierig die Musiksuppe heutiger Tage nach Perlen und Geheimnissen durchforscht, politisch auf der richtigen Seite stehende Musik mit Meinung mag, sollte hier seine Aufmerksamkeit parken und tief durchatmen, während er genüsslich dem so ungemein homogen gewordenen, vielseitigen Sound lauscht.
Wo sonst kann man vorderasiatische Folklore in ekstatischen Metal aufbrechen hören, woraus elegischer Jazz sprießt.

myspace.com/theuniverzals
VM



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