Univers Zero "Implosion" (Cuneiform Records 2004)

Daniel Denis und seine Band Univers Zero haben Songs des neuen Albums "Implosion" bereits auf dem Artrock Freakshow Festival 2004 in Würzburg vorgestellt. Die Lightshow des Konzertes setzt am Cover der neuen CD an, vielmehr ist es wohl umgekehrt, die Lightshow ist Teil des neuen Programms der Band, was das Cover bereits andeutet.
Neben Daniel Denis (dr, perc, key, samples, acc, cheap-g) sind Michel Berckmans (ob, eng-h, bas), Serge Bertocchi (sax), Aurélia Boven (ce), Dirk Descheemaeker (cl, b-cl), Bart Maris (tr, fl-h), Eric Plantain (el-b), Christophe Pons (acc-g), Bart Quartier (mar, glockensp) und Igor Semenoff (vi) an der Einspielung der 16 Stücke beteiligt gewesen. Alte Bekannte und einige für Univers Zero neue Gesichter sind im 30. Jahr der Gründung der Band dabei. Aufgenommen von August bis November 2003, erschien die CD bereits im Mai 2004, in Deutschland ist sie seit September 2004 erhältlich. Das Konzept der beiden letzten CDs setzt sich nur teilweise in den neuen Kompositionen fort. Dort waren Daniel Denis und Univers Zero sehr folkloristisch vorgegangen, hatten die Düsternis der frühen Alben verdrängt und nicht zu der Intensität gefunden, die den Namen Univers Zero geprägt hat. "Implosion" präsentiert eine Mischung aus der abgrundtiefen Düsternis der ersten 5 Alben, industriellen Geräuschkulissen, die nicht minder düster, wenn nicht gar horrormäßig schwarz sind, elektrischen und elektronischen Sounds und der Folklore der letzten beiden Alben.
Dabei sind die Folk-Motive eher heiter, zwar von einiger Mollastigkeit und Schwere, doch im Vergleich zu den wirklich dramatisch und beängstigend dunklen Tönen geradezu fröhlich und heiter, beschwingt und lässig.
Die industriellen Töne scheinen nicht von dieser Welt. Oder doch, als würde eine verschworene Gemeinschaft in verlassenen, einsamen Industriehallen den Maschinenpark hochfahren und mit allerlei Gerät darauf herumschlagen, elektrische Wahnsinnssounds dazwischen jagen, irrwitzige Tänze vollführen und einen Geist anbeten, der sich lieber nicht blicken lassen sollte!
Die wenigen längeren Songs sind von fast ebensolcher Natur wie diejenigen der alten Univers Zero. Zumindest im Geiste, wenn Klarinette, Violine, Bass und Schlagzeug zu traumatischen Hörerlebnisse ausholen, legt sich ein wohliger Schauer des Grusels in den Nacken! Alle Achtung, hier gibt es wieder das ganz feine Material.
In den folkloristischen Stücken, die mal mehr oder weniger mittelalterlichen Charakter haben (die musikalische Untermalung zum täglichen Aufhängen der Verbrecher auf dem vormittäglichen Marktplatz…), sind düstere Motive natürlich auch am Platz, in einem recht freundlichen Umfeld. Forsche Struktur wird aufgebaut, Düsternis verdrängt. Doch auch hier gibt es geradezu magische Momente. Vor allem, wenn Marimba und Schlagzeug, Blasinstrumente und Violine Unisono-Parts entwerfen, die einfach hinreißend sind.
Höhepunkte auf "Implosion" sind "Partch's X-Ray", "La Mort De Sophocle", "Temps Neufs", "Mellotronic" und "À Rebours". Mit knapp 49 Minuten ist die CD nicht sehr lang geraten, aber abwechslungsreich. Die gute Mischung, das hinreißende Arrangement und natürlich die grandiose Düsternis sind absolute Gründe, sich dieses Album zuzulegen. Gefällt mir außerordentlich gut, muss ich unbedingt empfehlen. (Und danach legt euch bloß die ersten 5 Alben zu, wenn ihr die nicht sowieso schon habt!)

univers-zero.com
VM



Zurück