TIJUANA MON AMOUR BROADCASTING INC. / POLARKREIS 18, Live am 12.11.2006 im Staatsschauspiel Dresden

Alte Herren gegen Jungspunde

Ein Konzert der Gegensätze durften die Besucher erwarten beim gemeinsamen Auftritt von zwei der wichtigsten Dresdner Combos. Und der Abend hielt, was er versprach - zumal nicht alle Tage ein "Rockkonzert" (O-Ton Website des Staatsschauspiels) in den heiligen Theaterhallen stattfindet. Rockkonzert, aha…

Den Anfang machten die Jungs von der Band mit dem langen, fast unaussprechlichen Namen: Tijuana Mon Amour Broadcasting Inc. Beste Wahl zur Einstimmung, ist ihre Musik doch das, was neudeutsch gern mit "loungig" bezeichnet wird. In der Viererbesetzung Bass, Piano, Drums und Turntables kreieren sie einen Sound, der sich jeglicher klaren Schubladeneinordnung entzieht. Stattdessen beschleicht einen das Gefühl, man wird hinein gesogen in die Boxen und Teil des Flusses namens TMABI. So auch an diesem Abend, an dem die Stücke insgesamt leicht jazzlastig wirkten und an dem Matthias Petzold auch einigen Stücken seine Stimme lieh. Besser waren allerdings die rein instrumentalen Soundlandschaften.

Nach einer halben Stunde kam der erwartete Break: Die "alten Herren" - zumindest im Vergleich zu den nun folgenden Jungspunden - verließen die Bretter, die so vieles bedeuten. Polarkreis 18 wirken noch jünger als sie tatsächlich sind (Anfang 20), was auch am knabenchorhaften Look mit weißen Hemden und Stoffhosen gelegen haben mag. Bei Polarkreis 18 gilt: Alter schützt vor Qualität nicht. Davon hat die Band schon so manchen Zweifler überzeugt - auch Motor Music, bei denen sie inzwischen unter Vertrag sind. Waren TMABI Introvertiertheit pur, so erleben die Besucher nun das ganze Gegenteil: Exzessive Tanz- und Klatscheinlagen, Gitarrenorgasmen, Schlagzeugfeuer. Und darüber die klassische Stimme von Sänger Felix, die in derartigen Höhen wandert, dass einem schwindlig wird - was natürlich Geschmackssache ist. Musikalisch lässt sich auch der zweite Act des Abends schwer fassen. Irgendwo ist es Indie-Pop, aber ein ganz eigener - beispielsweise dank des Einsatzes von Streichern (an diesem Abend auch live dabei) und zwei Bläsern (ebenfalls mit auf der Bühne). Polarkreis 18 sind noch jung, zeigen aber auch an diesem Abend eindrucksvoll, welch Potential da teilweise bereits vorhanden ist und teilweise noch schlummert.

Der Höhepunkt des Abends folgt nach der Pause. Zunächst spielen sich die Bands musikalisch die Bälle zu, indem sie abwechselnd eigene Titel performen, wobei auch schon mal der Polarkreis-Gitarrist bei TMABI mitmischt. Dann endlich stehen alle auf der Bühne: beide Combos plus Streichquartett. Leider nur für einen einzigen Song, der dann aber umso intensiver gespielt wird. Besonders die beiden Drummer verzahnten sich hier zu einer hinreißenden Einheit. Perfekt! Das wäre ein schöner Schlusspunkt gewesen, es folgte jedoch noch eine Fast-A-Capella-Version von John Lennons "Love". War vielleicht ironisch gemeint, wirkte aber doch eher peinlich.

Text: Stefan



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