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Thinking Plague "A History Of Madness" (Cuneiform Records 2003)
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Endlich! Angekündigt war die neue Thinking Plague - CD bereits für Mai 2002. Nach (einigen) Terminverschiebungen hat die Wartezeit nun ein Ende. Thinking Plague bauen auf ein hervorragendes Erbe, allein der Vorgänger "In Extremis" ist ein ausgezeichnetes, ein geradezu geniales Werk, das seine Energie aus der Zusammenarbeit von Mike Johnson und Bob Drake bezieht. "A History Of Madness" zeigt die Band und die Umstände der Entstehung völlig verändert. Bob Drake, quirliger Geist mit einem endlosen Fundus an Phantasie ist längst ausgestiegen und hat seitdem 5 (!) Solo-Alben eingespielt. Zudem verließ Schlagzeuger David Kerman Thinking Plague, ein schier unübertrefflicher Trommler, der komplexeste Themen nach Belieben dynamisch variieren kann. Neben Mike Johnson, Gitarrist, Komponist und Kopf des Projektes sind Deborah Perry (voc), Dave Willey (b, acc), David Shamrock (dr, perc, Ex-Idiot Flesh, Sleepy Time Gorilla Museum, ebenso vorzüglicher Schlagzeuger wie David Kerman, welch Ereignis, dass dieser exzellente Trommler den anderen ablöst!!!), Mark Harris (sax, cl, fl), Matt Mitchell (p, harm, synth) und etliche Gastmusiker an der Einspielung von "A History Of Madness" beteiligt gewesen. Thinking Plague ist keine "echte" Band. Alle Involvierten treiben sich teilweise weit entfernt voneinander auf dem Planeten herum, Konzerte sind absolute Raritäten (gab es in den letzten Jahren überhaupt welche?), Zusammenspiel, "Übungen", Jammen - findet nicht statt. Doch die CD ist vorhanden, Termine für das Studio haben sich finden lassen, das Album nach endloser Arbeit ist vollbracht. Und die Musik kann sich hören lassen. "A History Of Madness" zeigt Thinking Plague stark verändert. Zwar sind bestimmte markante Punkte wiederzuerkennen. Harmonien, wie sie nur von Mike Johnson stammen können, Gesangsmelodien, Deborah Perrys Stimme, Mike´s Gitarre und viele kleine und große Töne, Sounds und Stimmungen. Und doch ist sehr vieles anders. Längst hatten die Vorgänger-Alben nicht diese Stille, diese Ernsthaftigkeit, die klare Verspieltheit, die sich mit eleganter Zurückhaltung paart, diese sensible Note, dieses sanfte Ensemblespiel, überhaupt die Zurückgenommenheit aller Dramatik, allen Bombastes. Viele akustische Instrumente sind zu hören, kuriose Motive humpeln voran, drängeln, schubsen sich. "A History Of Madness" ist nicht moderner, es ist entrückter. Ein großer Schritt in Richtung neo-klassischer (seltsamer Begriff) Komposition. Viel hintergründiger Humor hat sich in die kurzen Schnipsel "Marching As To War, No. 1 - 4" verewigt, die zwischen die Songs gestreut wurden. "Blown Apart" zu Beginn führt mit seiner Struktur, die noch zuallermeist an vergangene Zeiten anknüpft, in das Album ein, nimmt die Hörer an die Hand und leitet sie in eine Welt, die sich von Komposition zu Idee, von Note zu Harmonie sehr anspruchsvoll und nicht unbedingt entgegenkommend entwickelt. Schwere Motive werden entworfen, verwehte Stimmungen, wenig ausgelassene Forschheit, eher kühle Gestaltung fast schon versteckter, zurückhaltender Themen. Andererseits reißt die schwelgerische Verträumtheit von "Le Gouffre", dem zweiten Teil des 8. Stücks, tief in einen lyrischen Strudel. Die avantgardistische und atypisch tonale Ausübung etlicher Facetten des kompletten Werkes braucht offene Hörer, die gefordert werden wollen. In " A History Of Madness" wird nicht nur die lyrische Dimension auf anspruchvollstem Niveau geboten, von der ersten bis zur letzten Sekunde ist die Musik ein grandioser Glücksbringer. Bleibt nur die Befürchtung, dass die Glücksbotschaft an interessierten Ohren vorbei läuft, weil zuviel Mainstream die Sinne breiter Hörerkreise verkleistert. Thinking Plague sind die große Hoffnung, die Krönung der avantgardistischen (Rock-)Musik. "A History Of Madness" ein Album, das den Hörer fordert, entrückt und reift.
cuneiformrecords.com
VM
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