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V.A. - Supernova 2 (2x10" LP, Interstellar Records 2009)
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"Supernova 2" ist wahrlich kein selbsterklärendes Projekt und so hilft zunächst ein Verweis auf "Supernova 1", die 2001 erschienen Vorgängercompilation. Eine Zusammenstellung bis heute weitestgehend namenloser Formationen wie Mute Audio und Calamari:Autopsy wurde damals auf 4 Kassetten in einer handgemachten Holzbox angeboten. Auflage: 111 Stück. Wenngleich "Supernova 2" acht Jahre später nun gleich mit der verdreifachten Stückzahl als 2x10" mit Gatefold-Cover erscheint, lassen diese Eckdaten doch bereits mehr als erahnen, dass es sich um eine Veröffentlichung der speziellen Art handeln muss. Dementsprechend sind vier stilistisch sehr unterschiedliche Acts vertreten, die sich allein unter dem Oberbegriff experimentelle Musik subsummieren lassen. Dafür verantwortlich zeichnet sich das feine österreichische Spartenlabel Interstellar Records und wenngleich mit die Promo auf CD vorliegt, bin ich mir sicher, dass das gute Stück auch optisch mit Liebe zum Detail angefertigt wurde.
Den Auftakt liefern BULBUL & HEIMO WALLNER mit dem gut 13minütigen Stück "Grand Kratzscha". BULBUL spielen von Haus aus energischen Noise Rock, worauf man allerdings allein durch das Hören dieses Songs kaum kommen würde. Die Österreicher haben nämlich offenbar auch ein Faible für freie Improvisation und mäandernde Soundlandschaften. Ein Desperado mit Grashalm im Mund zupft die Saiten seines elektrischen Sechssaiters zu sanft angeschlagenen Cymbals und begleitenden Elektronika, während ein Sänger wie übrigens über die gesamte Distanz von "Supernova 2" nicht vermisst wird.
Vergleichsweise prominent geht es danach mit MERZBOW weiter, dem legendären japanischen Experimental / Noise / Industrial Pionier, der in den letzten 30 Jahren der Welt eine Fülle von Veröffentlichung geschenkt hat, die vermutlich auch er selbst nur noch mit Mühe überblicken kann. "1339" bietet in erneut gut 13 Minuten Spielzeit eine bizarre, freigeistige und harsche Noise-Orgie, die von gängigen Konventionen befreit der heimischen Anlage einen Belastungstest bietet. Merzbow steht dabei für eine Form von brachialer Klangkunst, die nur sehr wenige Menschen tatsächlich konzentriert und regelmäßig anhören und die eigentlich nach einer Darbietung in Verbindung mit visualisierenden Elemeten schreit. Doch imposant ist diese Art der abstrakten Vertonung auch so. Immer wieder und auch hier.
Nicht ansatzweise mit solchem über Jahrzehnte erworbenenen Underground-Renomme behaftet sind dagegen die auf der A-Seite der zweiten Scheibe folgenden PEACH PIT, eine Math-Rock-Formation aus der südöstlichen Nachbarschaft Österreichs. Die Kroaten spielen über drei Songs verteilt verschachtelten instrumentalen Rock mit prog-jazzigen und noisigen Elementen, der frisch, knackig und nicht zu verkopft daherkommt. Changierend zwischen krachenden Gitarren und eher feingliedrigen Arrangments erweisen sich Peach Pit als ausgesprochen hoffnungsvolle Formation, von der noch einiges Gutes zu erwarten ist. Und dieser Eindruck entsteht gewiss nicht nur, weil die Südländer auf dieser Compilation die bei weitem am leichtesten zugängliche Band sind.
So wird es dann auch zum Abschluss mit dem Wiener Turntable-Improvisationskünstler WOLFGANG FUCHS wieder wesentlich abstrakter. Das knapp sechsminütige "Laurenz" besteht aus Knistern und tatsächlich ausschliesslich aus Knistern. Knistern, dass dann in "Rundschau" auf wabernde Schwingungen trifft. Bis zum Schluss. Auch für die Rezeption dessen wird es geneigte Spezialisten geben, sagt der Rezensent abschliessend, bevor er wieder PEACH PIT auflegt.
Volker Schulz
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