Es ist nicht das erste Mal, dass Magna Carta ein Projekt fördern, das - personell gesehen - nicht aus dem progressiven Bereich kommt, sondern im eigentlichen Fall großen Popstars als Backingband dient. Bozzio Levin Stevens seinen genannt, letzterer war (unter anderem) Gitarrist in Michael Jacksons Band. Im Fall von Stripsearch ist nicht einer der Involvierten ein "Progressiver" (das bleibt jetzt mal so stehen). Schlagzeuger Josh Freese (A Perfect Circle, Vandals, Devo), Bassist Mike Elizondo (Dr. Dre, Eminem, Xzbit, Mary J Blidge) und Gitarrist Michael Ward (Wallflowers, School Of Fish) samt Gast-Saxophonist Jason Freese (Vandals, Los Calzones, NOFX, keine Ahnung, warum der stetig aktive als Gast gelistet wird), sämtlich aus LA, haben sich zu einer absolut abgedrehten, wilden Idee zusammengefunden. Auf der Website der Plattenfirma steht was von Pop-Punk, Alternative und Psychedelic, aber das ist völliger Quatsch. Das Quartett spielt komplett improvisativen, schrägen Heavy Avant Jazz. Das macht die Wirklichkeit einmal deutlicher. Ihr Geld verdienen sie damit, Kids mit niedlichen Popsongs das Geld aus der Tasche zu ziehen und wenn es um "Musik" geht, müssen sie auf eine alternative, in diesem Fall progressive Plattenfirma zurückgreifen, um ihr eigenes Ding zu machen. Da haut was nicht hin. Aber lieber so, als das es Stripsearch gar nicht geben würde. Denn trotz aller losen Struktur, dem wenig komplexen, dafür um so wilderen und härteren Aufbau ist die Musik, sind die 9 Songs grandios und ungemein inspiriert. Das Album ist dynamisch angelegt, die Songs gehen zwar nicht immer direkt ineinander über, aber sie ergänzen sich tatkräftig. Die Jazz-Basis im Rhythmusbereich ist äußerst vital, Schlagzeug und Bass sind die strukturschaffenden Instrumente, die beiden fertigen ein äußerst komplexes und aktives, unruhiges und lebendiges Gerüst, auf dem die harte, improvisativ bearbeitete Gitarre und das kreischende Saxophon abstrakte Jazzläufe geben. Hier wird kein Jazz-Stil nachempfunden und doch Jazz gespielt. Tief im Rock fußend ist die harmonische Orientierung weit ins freie Feld des Avantgarde Jazz geöffnet. Ich kann nur hoffen, dass das Quartett mit diesem schweren, aber beeindruckenden Debüt Erfolg haben wird, so dass sich weitere Produktionen anschließen. Ein Leckerbissen für Avant Prog Freaks.
magnacarta.net
VM
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