Spastic Ink "Ink Compatible" (Eclectic Electric 2004)

"Eclectic Electric" kann hier gleich als Überschrift genommen werden. Spastic Ink ist eine penible Band, Kopf und Mastermind Ron Jarzombek ein Mimose, der es sich nicht nehmen ließ, etliche JAHRE an der Fertigstellung der Musik zu arbeiten. Im Booklet sind auf einer Seite beschriftete CD-Rs abgebildet. Würde mich nicht wundern, wenn es von den Stücken auf der neuen Spastic Ink CD "Ink Compatible" etliche Varianten geben würde, die wir Freaks wohl niemals zu hören bekommen werden, weil hier und da geringste Ungereimtheiten zu hören sind… Ron Jarzombek, Gitarrist, Chef und Komponist des Jazz-Metal-Unternehmens Spastic Ink, duldet kein unreifes Material. 1997 bereits erfreuten Spastic Ink die Freaks der abgefahrendsten Metal-Mischung mit ihrem Debüt "Ink Complete", das Material ist ultra-ultra-komplex und macht dauerhaft süchtig. Der Nachfolger war über Jahre angekündigt und immer wieder verschoben worden. Keiner glaubte mehr daran, dass weitere Musik dieser göttlichen Qualität entstehen würde, doch siehe da, da ist sie, die neue Platte.
Um es gleich zu sagen, wer kein Freund des überaus technischen, hoch komplizierten und Noten-intensiven Komponisten-Jazz-Metals ist, kann die Band vergessen. Hier herrschen flinke Soli, ausgeklügelte Rhythmen, heftige und breakintensive Knochenbrecher-Kompositionen in einem verschärften Arrangement, das sonst nirgends zu finden ist. Keine der abertausenden Rockbands auf diesem Planeten ist auch nur annähernd so extrem gut/perfekt/genial/abgefahren/komplex/technisch versiert wie die Texaner.
Eigentlich sind Spastic Ink ein Quartett. Jason McMaster (voc), Ron Jarzombek (g, prog), Pete Perez (b) und Bob Jarzombek (dr) sind die Mitte des Unternehmens. Für die Einspielung dieser vom ersten bis zum letzten Ton GENIALEN Musik ist eine Fülle Gastmusiker aktiv geworden. Jens Johansson steuerte Synth Soli bei, Crystal Francis gab den Operator, Bill Dawson lieh seine Stimme, Ray Riendeau spielte Bass, David Penna Schlagzeug, Michael Manring spielte ein Fretless Bass Solo ein und David Bagsby das allerschönste Synth Solo überhaupt, sehr zappaesk, freakig und jazzdurchflutet, wie Himmel und Hölle mitten im Herzen!!!
Damit nicht genug: Bill Stalcup (Voice), Doug Keyser (b), Jimmy Pitts (Synth Solo), Sean Malone (b), Jeff Eber (dr), Marty Friedman (g solo) und Jennifer Jarzombek (Voice) gaben ihr Bestes. Auf "Ink Compatible" gibt es kein gutes, kein schlechtes Stück; keinen Song, der herausragt, keine Idee, die weggelassen hätte werden können. Es gibt nur allerfeinstes, völlig verrückt ausgeklügeltes und zuhöchst inspiriertes Material. Aber es gibt einige Kleinigkeiten, bei denen mir nur noch die Kinnlade runterfällt, Gänsehaut über den Rücken geistert, Augenfeuchte sich aufgrund Überfülle entlädt. So David Bagsbys Synth Solo in "Words For Nerds" etwa. Wo abstrakte Musiksprache ihre Definition erfährt, Inspiration sich in hundertstel Sekunden erfahren lässt und die intensive Stimmung göttlich ist. Oder das erste Gitarrensolo in dem unbegreiflichen 12minüter "A Chaotic Realization Of Nothing Yet Misunderstood". Was da abgeht, ist von einem Menschen geschrieben worden, das muss man sich mal vorstellen: keine Frage, die Jahre waren nötig. Die Frage ist, wie viele Jahre hätten andere Musiker dafür gebraucht? Mehr als ein Leben, fürchte ich. Und was ist mit der Notiz "The Cereal Mouse"? Als wäre Johann Sebastian Bach persönlich in Ron Jarzombek gefahren, hätte ihm Fugen ins Herz gepflanzt, die zu seinen Lebzeiten niemals aufgeschrieben worden waren. Oder das ultraschnell-virtuose, verdreht-geniale "Read Me", dessen Kabinettstückchen wie Sterne vor den Augen tanzen und die Sinne verdrehen… Es sind die Worte nicht, die diese Qualität entsprechend würdigen können. Nicht in 8 Jahren. Diese Scheibe ist absolutes Pflichtprogramm. Progressive Rock at its best.
Jungs, ich putz euch auch die Schuhe. Aber hört nicht auf, Musik zu machen. Dringende Empfehlung!

spasticink.com

VM




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