Stefan Signer "I Go To Turkey"

Stefan Signer dürfte die interessierten Musik - Enthusiasten vor den Kopf gestoßen haben. Seine Vertonung von Gedichten der Indianerin Nila NorthSun (vom Stamme der Shoshone-Paiuta in Nevada), die in kühl poetischen und stets klaren Worten von der Tristesse der Lebensrealität des vergewaltigten und beraubten Volkes sprechen, war ein grandioses Beispiel für ausdrucksstarke Musik. Die Ästhetik der instrumentalen Töne und die nüchterne Realität der Texte sprangen weit auseinander. Lina Akerlund (Gesang) und Peter Waters (Piano, auch auf "Average Sized An´ Empty" - Infra Steff Red Devil Band sowie auf Tours und "Orchestral Snack Music") führten die Stücke um 1992 in der St. Gallener Tonhalle auf. Das Piano erregt sich und braust auf, führt die Töne elegisch aus und melancholisiert tröpfchenweise, um disharmonisch auszubrechen und scharfe Akzente zu setzen. Lina Akerlund´s Sopran führt die Melodie, die sie in zumeist schwerem Moll in hohen Tönen artikuliert. Zwischen die Vokalstücke hat Stefan Signer instrumentale Passagen gesetzt, die empört und aufgeregt die Poesie der Worte nachzeichnen. Der stark von Terassendynamik geprägte, kantige und doch schwungvolle Vortrag ist sehr lebendig, launig, zuweilen geradezu jazzig.

11 Jahre später, am 11. November 2003, spielen Jennifer Davison (Gesang), Klaus Durrer (Flöte) und Andrew Dunscombe (Piano) ein Stück von Stefan Signer, das einen Neubeginn markiert. In der Zwischenzeit hatte Stefan Signer seine Arbeit als Komponist vollständig vernachlässigt, die Inspiration war verloren gegangen. Wiedergefunden hat er die Inspiration vor allem durch seine Arbeit in einem Genossenschafts Restaurant gemeinsam mit anderen Leuten. "I go to Turkey" heißt das neue Stück. Stefan Signer, ehedem Infra Steff, bezeichnet sich auch als DJ Köfte und findet zu einer modernen - ernsten - instrumentalen Extravaganz zurück, als sei ein Hauch von Zeit nur verflogen. Das erstaunlich melodische Stück hat eine fabelhafte Melodie, die von sanftem Piano und lyrischer Flöte kongenial zur fast schon jazzbetonten Stimme bestimmt wird. Doch wer Stefan Signer kennt, weiß, dass nichts so bleibt, wie es beginnt. So bricht die Energie des Stückes in sich zusammen und fließt still dahin, um nur eine um so disharmonischere und abstraktere Pointe anzustreben. Fabelhaft und ausgezeichnet! Seine Liebe zu Strawinsky und Zappa ist am Horizont stets bemerkbar. Und so wird sein Interesse wohl auch bleiben, keinem Stil verpflichtet, keiner Gangart unterjocht, sondern mutig, kühn E und U übergreifend. Bleibt zu hoffen, dass in dieser Zeit des wahnsinnig dumpfen Mainstreams Künstler wie Stefan Signer eine Chance haben und ein Label finden, dass sie veröffentlicht. Material dafür hat Stefan Signer reichlich.

Stefan Signer Story

VM
steffsigner.ch




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