Klaus Schulze "Mirage" "X" "Dreams" "Le Moulin De Daudet" (Inside Out Revisited Rec. 2005)

Das noch junge deutsche Label Inside Out hat seinen Ursprung in der Begeisterung seiner Gründer am Prog Metal, vor allem der Musik der großen Prog Metaller Dream Theater. Seit Jahren bereits ist Inside Out für seine feinen Outputs bekannt. Das Repertoire wächst stetig, stilistisch wie künstlerisch. Große Acts wie Spocks Beard, Ayreon und The Flower Kings sind mittlerweile bei Inside Out unter Vertrag, deren erste Alben hier vorzüglich remastert neu veröffentlicht wurden. Solistische Ambitionen der einzelnen Dream Theater Musiker veröffentlicht das Label ebenso wie diverse Prog Metal Bands, aufstrebende Bands wie die Schweden Paatos oder Solokünstler wie Neal Morse, Chroma Key oder Ray Wilson. Die Palette ist breit und sicher wird der Erfolg, vor allem, was Maßstäbe im Progressive Rock betrifft, nicht zu verachten sein.
Doch Inside Out lehnen sich nicht zurück und verwalten ihre musikalischen Partner, sondern sind stets auf der Suche nach neuen Herausforderungen. So werden nun diverse Alben des Elektronik-Pioniers Klaus Schulze als remasterte Deluxe Editionen (noch etwas, wofür das Label Vorbildfunktion erfüllt) im Digipack aufgelegt.
Dabei gehen Inside Out nicht chronologisch vor, sondern greifen aus dem Repertoire verschiedene Phasen/Alben auf, die in Zyklen veröffentlicht werden. Den Auftakt machen die Alben-Nummer 8, 10, 19 und 37. Dabei wurde vor allem an Sammler gedacht, so sind auf den Digipack-Rücken die Alben-Nummern, auf den Backcovers das LP-Erscheinungsjahr angegeben, das erleichtert Sortierung und Sammlung der Alben.

Klaus Schulze ist der Melodiker unter den Elektronikern; Tangerine Dream, denen er 1969 bis 70 angehörte (wie Ash Ra Tempel 1970 - 71 oder zuerst Psy Free 1967 - 69) arbeiteten freier, experimenteller, während Klaus Schulze "richtige" Melodien, Strukturen und Stimmungen erzeugte, die nachvollziehbarer waren und emotional aus der Realität entführen. Er gilt als der Priester der Elektronik, der Gottvater des Techno, und hat mit seinen langen Monsterwerken weltweit einen Namen, der als KS in der Szene überall erkannt wird.
Sicherlich, Klaus Schulze auf CD gibt es bereits. Dennoch ist diese nächste Auflage interessant, nicht nur wegen Design, Bonustracks (die Alben kratzen heftig an der 80-Minuten-Marke), informativem und umfangreichem Booklet, Auflistung seines Equipments, Bildern und Interviewausschnitten für diese Edition. Jedes Album hat seine Besonderheit, darüber im Einzelnen weiter.
"Mirage" (1977) als 8. Album macht den Auftakt. Zusätzlich zu den originalen Stücken gibt es einen 19minütigen Bonustrack namens "In cosa crede chi non crede?". Von diesem Track war bereits ein 5minütiger Ausschnitt auf einem längst nicht mehr verfügbaren Sampler veröffentlicht gewesen. Die Soundqualität lässt nach, bleibt aber hörenswert. Zudem ist das erste Stück der LP/CD, "Velvet Voyage", in einer leicht veränderten Version enthalten.
"X" (1978) ist ein grandioses Ausnahme-Album. Die 6 Songs auf 2 CDs sind lang, extrem lang, bis zu 30 Minuten. Klaus Schulze spielt mit einem Streichorchester zusammen, mit einem Violinisten, einem Cellisten und (wieder) dem Krautrock-Schlagzeuger Harald Grosskopf (Ash Ra Temple, Cosmic Jokers, Lutz Ulbrich, Wallenstein, Walter Wegmüller, You, solo). Die Palette der elektronischen Instrumente ist riesig. Auch hier gibt es unterschiedliche Versionen zum Originalalbum, zudem wurden einige Stücke gekürzt. Als Bonus ist "Objet d'Louis" hinzugekommen, wie auf den anderen Veröffentlichungen auch ein Stück aus der Entstehungszeit des Albums.
"Dreams" von 1986 ist ein lyrisches Werk. Teilweise spielt Klaus Schulze mit kompletter Band zusammen. Der Bonustrack "Constellation Andromeda" (23:52) ist allerdings erst 2003 aufgenommen worden und wurde bisher nur auf einer Promotion CD in der Auflage von 300 Stück realisiert.
Das letzte Album der ersten Serie (die zweite wird im April 2005 folgen) ist das 1992er Werk "Le Moulin De Daudet". Das in 21 kurze Tracks unterteilte Werk ist melancholischer, stiller, einfacher und entrückter als frühere Alben, hat aber dieselbe melodische Dichte und schöngeistige Lyrik. Seine neuen Alben sind zudem mehr "light", symphonische Dichte und dramatischer Bombast haben fast keinen Anteil mehr an der Musik. Auch hier gibt es einen Bonustrack. "The Icon Perspective" (15:58), 2004 aufgenommen, war Teil einer Promotion CD in 300er Auflage.

Sicherlich werden viele Fans jetzt in die Zwickmühle geraten. Sind diese Alben es wert, noch einmal Geld auszugeben? Wer auf perfektes Design und perfekten Klang, auf Bonustracks und informatives Booklet Wert legt, kann hier getrost zugreifen. Wem es nur auf die Musik ankommt, muss wohl entscheiden, ob sein Interesse an den nur hier enthaltenen Variationen der originalen Tracks groß genug ist. Wem die Musik wie auf LP reicht, bleibt auch mit bisherigen Auflagen glücklich. Gewiss eine Fall-zu-Fall-Entscheidung.

klaus-schulze.com
VM



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