SCHILLER, Live am 25.5.2008 im Alten Schlachthof Dresden

Wir haben uns alle lieb

Nicht kleckern, sondern klotzen. Perfektionismus ist bei Schiller-Platten Trumpf, gilt aber für seine Live-Auftritte noch mehr. Da tut es simpler Stereo-Klang nicht, Dolby-Surround muss es schon sein. Passt ja auch zur elektronisch-effektvollen Musik von Christopher von Deylen, dem Mann hinter Schiller. Dazu werden auf überdimensionale LED-Screens bunte Bilder und Textzeilen projiziert, unterstützt von einem bis ins letzte Detail durchprogrammierten Lichtkonzept. Schließlich gibt es auch nicht nur eine Stimme, sondern derer gleich drei: Die sowohl stimmlich als auch visuell zauberhaften Kim Sanders, Jette von Roth und Jaël, die erstmals bei Schiller live dabei ist. Sie teilen sich in die Vokal-Stücke, die etwa die Hälfte des Programms ausmachen. Begleitet werden sie von einer fünfköpfigen Band und natürlich dem Meister selbst, der königlich in der Bühnenmitte hinter seinen Tasteninstrumenten thront ("Ich bin Schiller"). Elektronik dominiert den Sound überdeutlich, dann und wann bekommen aber auch Gitarre, Bass oder Cello (!) eine Chance. In einigen kurzen Momenten meint man sich an Pink Floyd erinnert. Leider sind diese sehr selten. Deutlich dominierend sind Konsensklänge, die sauber durchkomponiert und ohne Makel vorgetragen sind. Denen aber auf Dauer die Frische fehlt. Daran stört sich das Konsenspublikum - scheinbar überwiegend RTL- und VOX-Zuschauer (beide Sender präsentieren die Tour) - nicht. Genüsslich wird mitgeklatscht und mitgeschunkelt, so dass die Dauerwelle schon mal in leichte Schwingung gerät. Nach zweieinhalb Stunden sind alle happy und haben sich lieb, ganz so wie es die Musiker auf der Bühne mehrfach vorgemacht haben. Wie lange dieses Gefühl anhält, muss an dieser Stelle Spekulation bleiben.

Fotos: Cordelia
Text: Stefan



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