SCHANDMAUL

Live im Nachtleben Frankfurt, am 28. 10. 2002

Wenn der Bass abkackt...

Es gibt einen Fakt, der für die Musiker von Folk-Rock-Bands spricht. Die Jungs und Mädels haben es drauf. Die können nur nicht live spielen, die können vor allem improvisieren! Die Schlange vor dem Frankfurter Nachtleben war imposant. Und lässt einmal mehr die berechtigte Frage aufwerfen, was den Betreiber dieses Clubs nur reitet, solche Bands in dieser kleinen Location spielen zu lassen. Die größere Batschkapp wäre hier die bessere Lösung gewesen. Zumal es sich um den selben Betreiber handelt. Zwar gaben dort am gleichen Abend The 69 Eyes ein Zusatzkonzert, aber eine Lösung hätte man sicherlich gefunden. So wurde es also im Nachtleben, der Live-Club befindet sich Keller des gleichnamigen Cafés, sehr eng und stickig.

Tanzen, Toben, Hopsen

Schätzungsweise 300 Leute mögen sich dort gedrängt haben. Mehr wäre auch nicht gegangen. Die sechs Schandmaul-Musiker hatten auf der kleinen Bühne auch kaum Platz, aber sie machten das Beste daraus. Ein grandioses Konzert. Die Stimmung tobte vom ersten bis zum letzten Ton. Tanzende Leiber, über die Köpfe des Publikums getragene Fans - es ist immer wieder erstaunlich was einige auf engstem Raum fabrizieren. Die Schandmäuler spielten die Songs ihrer letzten zwei Alben, schwitzten und hatten trotz der tropischen Hitze eine bemerkenswerte Power und Ausdauer. Als wäre die Bühne ein Trampolin, hopsten die Musiker bei jedem Song im Takt.

"Marmor, Stein und Eisen bricht"

Eine Unterbrechung gab es nur, als ungefähr zur Halbzeit des Gigs der Bass streikte. "Unser Bass ist abgekackt", kommentierte Sänger Thomas Lindner lapidar das unschöne Brummen. Und da es etwas länger zu dauern schien, bis es im Set weitergehen konnte, ergriff Gitarrist Martin Duckstein kurzerhand die Initiative. "Dann spielen wir solange einen Schlager" - sprach's und stimmte "Marmor, Stein und Eisen bricht" an. Drummer Stefan Brunner nahm den Rhythmus auf, Sänger Thomas stimmte mit ein und auch das Publikum bewies erstaunliche Textsicherheit. Ab der zweiten Strophe brachte dann auch noch Geigerin Anna Kränzlein ihr Instrument mit ein und alle zusammen schmetterten den alten Gassenhauer bis zur letzten Strophe. Da war auch ein zweiter Bass einsatzbereit und es konnte im Schandmaul-Repertoire weitergehen. Dass es auch bei Geige, Dudelsack und Akkordeon zu Pannen und Aussetzern während des Konzertes kam, war in all dem Trubel gar nicht zu merken. Die Band verriet es im Tourtagebuch auf ihrer Website (schandmaul.com). Nach etwas mehr als zwei Stunden inklusive Zugaben war aber Schluss. Ein begeistertes, zufriedenes, aber auch von Hitze und Sauerstoffmangel gezeichnetes Publikum verließ den Club, der sich an diesem Abend in eine Hüpfburg verwandelt hatte.
LARS




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