Roger Chapman and the Shortlist "Riff Burglar / Live at Munster Hall" (BGO 2009)

Nachdem die Streetwalkers im Punk-Zeitalter mit ihrem komplexen Live-Album kommerziell gescheitert waren - niemand wollte lange Songs hören, alles war auf kurzen, heftigen Lärm aus - lösten Roger Chapman und Charlie Whitney ihre langjährige Zusammenarbeit 1977 auf. Als im Dezember des Jahres das 2LP Livealbum erschien, war die Band bereits Geschichte.
Zwei Jahre sollte Roger Chapman nicht auf der Bühne stehen. Der Berserker mit der Reibeisenstimme, der meckern, brüllen, kreischen und schreien konnte, dass das Publikum nicht wusste, ob es mehr den auf seinen Fingerrücken eintätowierten "Love" oder "Hate" vertrauen sollte, ging in Klausur, stellte eine neue Band zusammen (in der auch wieder einige alte Weggefährten aktiv werden sollten, wie Vibraphonist Poli Palmer) und legte 1979 sein erstes Soloalbum "Chappo" auf. Besonders viel hatte sich nicht geändert, sein heftiger Rock'n'Roll war geglätteter, eingängiger, poppiger, weniger komplex, aber immer noch dreckiger, rauer Rock'n'Roll. Im gleichen Jahr gründete Chappo seine Band The Shortlist. Die früheren Bands, Family, Streetwalkers, so meinte er in einem Interview, waren irgendwie immer ‚Bandsachen' gewesen, diese erst ist mein eigenes Ding, meine persönliche Sache. Dass er dies bereits zur Gründung der Streetwalkers gesagt hatte, tat der Aussage keinen Abbruch. Jeder Neuanfang will begründet sein und die neue, kreative Zukunft ins richtige Licht gestellt.
Beat Goes On legen nun eine 3CD auf, die das als Pre-Shortlist-Album "Riff Burglar" enthält, dass 1981 nur auf Kassette veröffentlicht wurde und nicht als reguläres Album zählen sollte. Die 12 kurzen Tracks bringen es ganz knapp unter 40 Minuten, allesamt Rock'n'Roll- und Blues-Klassiker, lebhaft und heftig intoniert, und typisch Chappo, sehr intensiv. Die Songs kommen auf den Punkt, sofort ist die Energie hoch gekocht, es gibt keine Mätzchen, das bisschen Instrumentalarbeit erstreckt sich auf Intros, Outros und kurze Soli. Die Hauptsache ist Chappo und seine Meckerstimme, der im Sound badet wie eine Diva in Schampus. Und hin und wieder meckert seine Band gleich mit. Spaß? Gewaltig! Und die Streetwalkers schauen stilistisch ums Eck.
"Riff Burglar" gibt es bereits auf CD, zwei Auflagen haben die Stücke drauf, beide jeweils mit deutlich mehr Tracks. Die 2003er Auflage kommt auf 31 Songs, ob die jedoch alle bereits 1981 aufgenommen worden sind, entzieht sich meiner Kenntnis, auf der Kassette waren 15 Songs enthalten.
Die beiden weiteren CDs enthalten ein bislang unveröffentlichtes Konzert, das im Januar 1992 in Münster, im Jovel Theater aufgezeichnet worden war. Wie auf "Riff Burglar" ist der saftige Rock'n'Roll fett, cool, mitreißend, lebhaft, rau, roh und dreckig, hat Soul, Blues und Funk im Blut, und zeigt Hardrock-Tendenzen, die Songs sind jedoch erheblich länger. Überwiegend um 7 bis 10 Minuten lang, läuft "16 Tons" schließlich über 14 Minuten. Einige Balladen gehen ihre melancholisch-nachdenklichen Strecken, immer wieder mit Chappos Schreigesang emotional hochkochend; Lässigkeit und Deftigkeit umspielen sich, die Band, darunter Gitarrist Laurie Wisefield, vordem Wishbone Ash, ist gut aufgelegt, die Chemie stimmt. Bereits in den Siebzigern war Roger Chapman mit seinen Bands in Deutschland gut angekommen, hatte er eine breite Fanbasis, die sich im Auditorium vor der Bühne sammelte. Das hielt lange, hält bis heute an, in der Story im Booklet ist nachzulesen, dass Chappo gern nach Deutschland kommt, weil die Fans enthusiastischer sind, mehr losmachen und begeisterter reagieren als zuhause. So ist es kein Wunder, dass die saftigen 134 Minuten Live-Aufnahme die Bandchemie in Münster gut hochgefahren zeigt.
Keine große Sache, it's only Rock'n'Roll,…
Tolles Album!

myspace.com/chappomusic
bgo-records.com
VM



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