Renga "Avira" (OBU Records, VÖ: 03.08.2006)

"Avira" ist das zweite Projekt des japanischen Musikers Satoshi Murata aka Renga. Die erste CD war ein Mix aus Electronic und Avantgarde, die zweite CD ist verhaltener, abstrakter und jazziger, stilistisch dem ersten Werk sehr ähnlich. "Avira" hat nur einen Track, der 40 Minuten lang schräge Sounds präsentiert. Im ersten Teil, etwa 23 Minuten, betont das Piano eine ausgezeichnete improvisative Jazzlinie. Als Basis jedoch ist ein nervöser unruhiger Sound und ein seltsam hoppelnd programmierter Rhythmus unterlegt, was das Zuhören etwas anstrengend macht. Die Stimmung ist trotz der melodischen Abstraktion und der tollen Jazzläufe monoton und zerfahren, der verhallt dunkle Klang und die allgemein sphärisch-düstere Note der Komposition sind schon durchaus interessant. Doch der auf lange Dauer gleich bleibende Rhythmus und die innere Zerrissenheit des andauernden Keyboardspiels verlieren im Laufe der Minuten an Spannung.
Im zweiten Teil wird die Stimmung fahriger, der Rhythmuscomputer verstummt, das Jazzpiano verliert sich im Off. Ein weit verhalltes Motiv trippelt 18 Minuten vor sich hin, variabel und in sich bewegt, spacig und schließlich zum Ende hin immer verträumter und ambienter. Nach 42 Minuten und 49 Sekunden ist das lange Werk dezent und leise ausgelaufen. Es hat aufwühlende Qualitäten, denen auf Grund des elektronischen Charakters und der Abwesenheit größerer Variation wohl nur Electronic Spezialisten, die vor schrägen Sounds und Jazz keine Scheu haben, begegnen werden. Das Werk ist als freie Improvisation entstanden, komplett nur auf Keyboards gespielt. Satoshi Murata bedankt sich im Backcover bei Hoppy Kamiyama, der wohl zu Jazz und schräger Eigenwilligkeit geraten hat. Die disharmonische, zerfahrene Struktur hebt das Album aus der breiten Masse heutiger elektronischer Einspielungen heraus.

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