RAZ OHARA & THE ODD ORCHESTRA Live am 03.04.08 in der Scheune Dresden

Deprifreie Moll-Klänge

Donnerstagabend ist das Wochenende nicht mehr allzu weit weg, warum sich also nicht zum Besuch eines Live-Gigs aufraffen. Der bestuhlte Saal legt allerdings die Vermutung nahe, dass hier eher weniger partytaugliche Clubmugge geboten wird. Dabei stand der Name Raz Ohara in der Vergangenheit durchaus für solche, beschallte der dänische Berliner doch die Clubs der Hauptstadt noch bis vor kurzem mit harten Rhythmen. Das kann man sich nur schwer vorstellen, wenn man den Thirty-Something introvertiert und barfüßig hinter seinem Electro-Piano sitzen sieht. Raz Ohara, der mit bürgerlichem Namen Patrick Rasmussen heißt, ist nicht allein gekommen, sondern mit dem Odd Orchestra. Dahinter steckt eigentlich nur der gebürtige Belgier Oliver Doerell, der sonst die Projekte Swod und Dictaphone mit seiner Kreativität bereichert. Live werden er und Ohara aber noch durch Gitarre und ein sanftes Schlagzeug unterstützt.

Das Quartett lässt wahre Songperlen auf den gut gefüllten Saal los. Dabei dominieren klar Moll-Klänge, die jedoch überraschenderweise kaum Depri-Stimmung verbreiten. Der sphärische Electro-Akustik-Pop mit pluckernder Elektronik und souligem Anstrich animiert zum Kopfkino, alternativ hätte man sich aber auch schicke Visuals vorstellen können. Der Song "Kisses" - ein potentieller Ohrwurm - schafft es dann sogar, dass das Publikum fast exzessiv mit den Füßen wippt. Dann und wann fühlt sich der Besucher in ein Massive Attack- oder Portishead-Konzert versetzt. Der Eindruck kann sich jedoch nicht wirklich festsetzen. Stilistisch zu abwechslungsreich sind die Frickeleien des Quartetts. Und die Stimme von Raz Ohara ist ja auch männlich, allerdings nicht weniger sexy als die seiner bekannteren weiblichen Kollegen. Am ende waren die 90 Konzertminuten kein Wochenend-Party-Warmup, haben aber das Publikums bestens verzaubert.

                                                 


                                


myspace.com/razoharaandtheoddorchestra

Text: Stefan
Fotos: Cordelia



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