Marcelo Radulovich "The Evil Ones" (Titicaman 2004)

Ein Track, 10 Minuten lang. Und ich bin mir nicht sicher, ob das viel zu wenig, oder viel zu viel ist. Der geborene Chilene Marcelo Radulovich benutzt Kurzwellenradiosender, Radiosprecher (!), Luft-Syntheziser und allerlei digitales Material, das er im Computer sampelt und mixt. Zudem, und hier kommt der Haken, ist stets die Stimme des derzeitigen amerikanischen Präsidenten George W. Bush zu hören.
Die Stimme ist unangenehm, wie die Politik dahinter. Doch geht davon eine Faszination aus, wie Radulovich Bushs Stimme, andere Stimmen und allerlei ausgefallene, schräge Klänge vermixt und als Kunstobjekt präsentiert. Noch eins. Bushs Worte sind markant.
"Many nations are acting forcefully but some governments will be timid in the face of terror, and make no mistake about it: if they do not act, America will."
Amerika wird. Die Weltpolizei findet die richtigen Worte, markant, knapp, entscheidend. Das hat Faszination. Faszination und Ekel. Radulovich mixt einige Sprüche des Texaner Ölscheichs mit Radiowellen, anderen Stimmen und Space-mäßig verschrägten und verfremdeten Sounds, die undefinierbaren Ursprungs sind.
Das Ganze hat seinen Klang, seine "Musik", doch auch seine Abschreckung. Bleibt zu entscheiden: bin ich neugierig genug, mir das anhören zu wollen? Oder ist der Ekel so groß, dass ich mir diese Stimme nicht noch und noch anhören will?
Diese Entscheidung muss jeder selbst fällen.

marceloradulovich.com
titicaman.com
trummerflora.com
phonography.org
VM



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