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Marcelo Radulovich "Hello" (Accretions 2002)
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Der Unterschied der heutigen modernen (anspruchsvollen, abstrakten) zur früheren modernen Musik (1950 - 1980) ist der, dass die Komponisten heutiger Tage gleichzeitig exellente Arrangeure sind. Im Falle von "Hello" würde ich fast sagen, dass die Stellung des Arrangements wichtiger ist, als die der Komposition. Marcelo Radulovich gehört zu den Musikern, die im Umfeld des Labels Accretions zwischen Free Jazz, worldmusic, Avantgarde und Ambient arbeiten. Marcelo geht dabei wie einige Labelkollegen aus den Vorstellungen von Musik überhaupt weit hervor und gebiert mit "Hello" (ein weiteres, viertes Mal) eine tonale Struktur, die von Lauten, Stimmen, elektronischen Verfremdungen, Loops und allerlei Resten aus Popmusik besteht. Das erstaunlichste dieser Produktion ist die unwahrscheinliche Reife des Arrangments. Wie diese Töne, Laute, Stimmen und elektronischen Phrasierungen ineinandergefügt wurden, verblüffent ungemein. Was so mancher Musiker als Störgeräusch wegfegen und löschen würde, erhält bei Marcelo besonderes Ohrenmerk. Doch weder greifen diese schrägen, beißenden, harschen Töne die Ohren stark an, noch sind sie überhaupt atonal zu nennen. Da fügt sich eine laute Stille, die beruhigender wirkt als die New Age - Lamoryanz sturernster Langweil-Komponisten. Eine interessante Ambient-Welt tut sich auf, die es mit Spannung zu entdecken gilt, wie der Soundtrack des eigenen Lebens. Wer jedoch denkt, dies sei leicht und oberflächlich getan, hat weder die Intention noch die Kunst von Marcelo Radulovich verstanden. Wer genau hinhört - und dazu gibt es hier viel Anlass - wird entdecken, dass diese Kulisse des geballten Lärms wie ein Theaterstück aufgebaut ist. Da bauen und lösen sich Spannungen, flechten und entflechten sich Verwirrungen, streiten und finden sich Gefühle. Radulovich ist Musiker und entwirft mit seiner Vorstellung von tonaler Struktur eine illustre, zwar fremde, aber doch irgendwie verwandte Art von Popmusik, die uns mit ihrer spannenden und melodischen Gefühlskulisse übertölpelt. Maschinen und Kinderstimmen, Fiepen und Brummen, Kratzen und Streicheln, Schlagen und Flirren - hier finden Laute zusammen, die besser nicht zusammengefügt werden können. Eine Entdeckung, die hoffentlich nicht unbekannt bleibt, sondern ihren Weg in die Ohren aufgeschlossener Hörer findet. Wer überrascht ist und sich der Musik öffnet, könnte plötzlich beginnen, Kunst interdisziplinär zu empfinden. Eine Schwelle, die nicht zu abstrakt gewebt ist, als dass man sie scheu meiden müsste. Nur keine Hemmungen - unbedingt testen!
VM
marceloradulovich.com
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