Psicotropia "Psicotropia" (Luna Negra/Musea Records 2003)

Psicotropia ist eine ganz junge Band, die in den Gracias zuerst King Crimson aufführt und damit die äußere Inspiration erwähnt. Pablo Tato (g, voc, b), Jaime Mariscal (b, key) und Juan Llull (dr) haben jedoch genügend eigene innere, eigene Inspiration, von der die 10 Songs ausführlich zehren. Gemeinsam mit Nacho Cuevas (voc, fl, harm), Iván Caramés (ce), Cristian Garma (key), Raúl Moya (g), Iván Orosa (voc), Elisa Puerto (voc) und Álvaro Tato (voc) haben sie ein tolles Album eingespielt. Während Opener "Negro" eher Lautmalerei ist, die ambient in die folgenden lauten Töne einführt, beginnt das folgende "Madre Tierra" ohne Kompromiss. Der Song rockt verdammt gut und schön hart. Strukturell sehr auf King Crimson eingestellt, wandert der Song zwischen Metal und tränenrührendem 70s Hardrock mit schrägem, tollen Flöteneinsatz dahin. Das ist äußerst gut gelungen, die 7 Minuten sind ein absoluter Kracher. Die weiteren Songs sind zumeist instrumental, bauen auf die Gitarristen-Schule Robert Fripps, ohne ganz darin zu versinken. In allem anspruchsvollen, komplexen Lärm bringt die Band auch mal eine gemütliche Mundharmonika unter oder lässt die Flöte scharfe, schneidende Töne spielen, ohne das Blues oder anderes belangloses daraus wird. Psicotropia verstehen es, die technischen Facetten des Vorbildes in den eigenen Sound einzufügen und längst nicht als Klon, sondern eigenständig zu klingen. Die virtuose Band ist sehr begabt, die Kompositionen bringen es jederzeit und nicht nur das 10-minütige "Suite Urdalia" ist eine große Ohrenfreude. Trotzdem ist immer wieder crimsoneske Inspiration zu spüren, die das eher düstere Werk zwischen melancholischer Nonchalance und malträtierendem Lärm bestimmt. Zwar ganz anders als die frühen Anekdoten, aber genauso tief inspiriert und nachvollziehbar, dürften Psicotropia ein echter Hit für die Old School Prog Fraktion werden. Tolles Werk, unbedingt testen!

psicotropia.com
musearecords.com
VM



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