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Present "Barbaro (ma non troppo)" (Ad Hoc Records 2009)
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Wunderschönes Geschenk. Drei Songs, 44:44 Minuten lang.
Present haben keinen markanten Namen wie Magma oder Univers Zero, die als verwandte Bands unweigerlich in der gedanklichen Nähe sind, wenn die belgische Geschenk-Combo ihre Perlen auspackt. Die beiden Verwandten sind im Internet schnell gefunden, unter ‚Present' gibt es alles mögliche (gar progressive Grammatik…).
Ganz persönlich muss ich bekennen, dass diese Band, Present, die Belgier um den von mir mit Sorgen betrachteten Roger Trigaux, eine meiner absoluten Lieblinge sind, was den düster-anarchischen Sound betrifft, diese heiß geliebte Schublade, in der es bebt und tobt, und in der die genialsten Bands zu finden sind. Present stecken, meines Erachtens, die aktuellen Univers Zero und die ebenso aktuellen Magma locker in die Tasche und machen DEN SOUND, DIE MUSIK, weswegen Hören erfunden wurde, sowie genießen. Dazu Schokolade und grüne Paprika.
Die Besetzung der Band ist so etwa gleich geblieben, der Kern sowieso, neben Vater Roger (g, key) sind das Reginald Trigaux (g, nicht weniger düster ausschauend), der ewig lockere und freundliche Keith Macksoud am Bass und Springborn Dave Kerman am Schlagzeug. Udi Koomran (nicht nur Ahvak), der sich zuletzt auch wegen exzellenter Soundaufbereitungsarbeiten historischer Schätze ins beste Soundarbeiterlicht setzt, hat den Sound gemixt, nicht nur den der CD, auch den der DVD. Ein Glück, der kurzen CD liegt noch was bei, eine - lange - DVD, knapp 3 Stunden Musik drauf, auch was von Würzburg, mancher bekannte Schädel hat da seine Silhouette vor die Band gestellt.
Die Songs auf der CD sind bereits bestens bekannt. Zwar wurde die CD erst 2009 produziert, die Songs sind aber um einiges älter. Und ein jeder davon ist in live dargebotener Version auch auf der DVD anzuschauen bzw. -hören.
Die Songs sind ‚barbaro', aber (ma non troppo). Nicht so schlimm ganz. Und so hören sie sich auch an. Der Sound ist düster und komplex, bewegt und lebhaft, sehr energisch und vital, von großer Erhabenheit und bombastischer Tiefe, lyrischer Elegie und frickeliger Aufgedrehtheit, heftiger Rasanz und radikaler Pose. Schwere, wie Blei sich wälzende Soundgewitter donnern und brechen aus den Boxen, was Rhythmus, ist überaus frakturisiert, in exzellente, brachiale Happen gebrochen, so beißen Hunde in düsteren Comics, kurz und heftig schnappend und sich gleich wieder zurückziehend, immer mit glutroten Augen und steter giftiger Angriffslust.
"Vertiges" (16:25) ist ein Kunstwerk für sich. Und wäre die CD nur diesen Song lang, so wäre diese den Kauf bereits überaus wert.
Wie komponiert man einen solchen Song, wenn man bereits viele dieser Art komponiert hat, schon so viele Facetten im düsteren Feld ausgeleuchtet und Struktur gespannt hat über erhaben leere Felder, die nun lebendig sind, eingefangen sind für die Lust des Hörens und die Neugierde der Sounderforschung? Musik hat kein Ende - solange der Komponist Inspiration spürt. Und die ist in Roger Trigaux. Seine Kunst ist die Komposition, die der erheblich komplexen Struktur düsterer Soundepen. Die Studioeinspielungen haben deutlich mehr symphonisches Flair als in der Liveaufführung. Da tasten sich Mellotron-Sounds in die Epen, kriechen an den Tapeten entlang und machen den Raum erlebbar, während im Vordergrund die Band ihre Radikaldüsternis mit Verve und Hingabe zelebriert. Wie ist das für die Band, diesen Sound spielen zu dürfen? Gemeinsam, als Band, solche Songs zu intonieren und dabei diese Harmonie zu finden, die soviel mehr ist als der Beitrag der Einzelnen?
"A Last Drop" hat schon einen düsteren Titel, als ginge die Band an die Gurgel des Hörers. Doch die Anarchie ist gemütlich. Im Present-Vergleich. Zwar hat auch dieses Stück an Komplexität und Ausdruck, was der Band Würde und Ansehen verleiht, aber doch von einiger Zurückhaltung und Laszivität ist diese nervöse Note. Die Prägung ist interessant, weil Roger Trigaux damit zu einer - für ihn - unerwarteten Dezenz findet, die kaum so erwartet werden darf. Und gewiss, die Note hat ihrer Radikalität, in ihrer lässigen Art. Mehr darf nicht verraten, muss gehört werden. Und dann, ja dann kommt "Jack The Ripper". Kaum weniger schön und brachial als "Promenade au fond d'un Canal", das große Meisterwerk dieser Ausnahmeband. Es beginnt düster, langsam, geht wie die Katze um den heißen Brei, immer in der betontesten Düsternis und Schwere, mit wundersamer Melodik und dramatischem Harmonieaufbau. Leute, nix lesen: hören! Die CD ist ein Kunstwerk und unbedingt allen zu empfehlen, die neugierig darauf sind, zu welchen exzellenten kunstfertigen Leistungen Progressive Rock fähig ist.
Die DVD: zwar massig Ware, aber nix Massenware. Den Auftakt macht das Konzert am 15. April 2007 auf dem französischen Rock in Opposition Festival (nix wie hin da). Die Band fällt mit "Jack The Ripper" ins Haus, gut zu sehen, wie das Publikum gebannt wie hypnotisiert da hockt und verzückt dem Klanggott lauscht. Ganz überirdisch und doch ganz irdisch! Was nur möglich ist!!! "Ceux d'en Ba (suite)" und das Meisterstück (s.o.) folgen in höchster Exzellenz.
Im Anschluss folgen zwei Tracks, die einen Tag zuvor gespielt worden sind: zwei Pianos und Perkussion, "Souls For Sale" und "Vertiges". Die können auch mit wenig viel. Sind Künstler. Im April 2006 stand die Band auf dem Gouveia Art Rock Festival in Portugal auf der Bühne, "The Limping Little Girl", "A Last Drop" und "Vertiges" wurden aufgeführt. Und bislang ist nicht ein Song dabei, der unter 10 Minuten lang ist, erheblich viel Musik zu erlauschen, was für ein grandioses Present. Sehr präsent.
Als Bonusmaterial gibt es Present C.O.D., was beweist, das auch Present mal weniger genial unterwegs sind, Present 94 als Jungspunde, schon damals waren Present, noch längst nicht so gut wie heute, genial und grandios überaus! Ein Konzert auf dem Orion (der Stern im Weltall) folgt, zuletzt sechs Minuten im 2001er Würzburg (die bekannten Schädel).
Möge die Band der Welt erhalten bleiben. Möge Roger Trigaux gesund bleiben, ihm Inspiration für immer zuteil sein, seine Kompositionsgabe nie nachlassen und die Band um ihn bleiben, solange es nur immer gehen mag!
totalzoo.com/present
myspace.com/present1313
VM
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