POLARKREIS 18, Live am 14.04.2007 in der Lukaskirche Dresden

Rauchfrei, alkoholfrei, klischeefrei

Vieles war anders an diesem Rock-Konzert-Abend. Wobei - Rockkonzert ist eigentlich nicht korrekt, wenn Polarkreis 18 auftreten, zu vielschichtig und komplex sind die Klänge, die sie zaubern. Als erstes fiel der Ort des Geschehens auf: Weder Club noch Konzerthalle - nein, eine Kirche wurde auserwählt. Durchaus nicht unpassend, ist doch die Musik der Dresdner Jungs immer auch ein wenig feierlich. Ungewöhnlich auch, dass weder Rauchen gestattet war noch Getränke verkauft wurden. So saß das Publikum, das sich überwiegend in einem ähnlichen Alter wie die Band befand, gesittet in den Kirchenbänken und harrte geduldig der Dinge, die da kommen sollten. Und Geduld war reichlich vonnöten, denn aufgrund des Mixerausfalls verschob sich der als "Record-Release-Konzert" angekündigte Auftritt doch erheblich.

Dann zunächst die Vorband. So gewöhnungsbedürftig wie der Name (Bodi Bill) war auch das, was das Leipzig-Berliner Trio fabrizierte. Elektronische Musik mit Gitarren- und Violin-Akzenten sowie Achtziger-Jahre-Anleihen (letztere übrigens auch im Popper-Jacken-Outfit). Aber irgendwann hatte man sie und ihre abgehackt-unbeholfen wirkende Choreographie lieb gewonnen. Spätestens beim großartigen Sinead-O'Connor-Cover. Bodi Bill haben das Zeug zu PK-18-Nachfolgern.

Wer nun dachte, dass in Kürze die Hauptakteure die Bühne entern würden, sah sich getäuscht. Erst einmal gab es einen ausgiebigen Soundcheck. Hat man als gemeiner Konzertbesucher ja auch nicht alle Tage. Danach ging's noch mal in die Garderobe: frisch machen und die weißen Konzertklamotten überwerfen. Dann plötzlich: Dunkelheit. Und schon tanzte der "Dreamdancer" durch die heiligen Hallen. Die Show, die nun folgte, entschädigte für alle Unwägbarkeiten des Abends. Vor dem Altar stand eine Band, die sich richtiggehend in Ekstase spielte. In ihrer Mitte ein Sänger, der in Glückseligkeit zu baden schien, auch wenn seine ungewöhnliche Falsettstimme an wenigen Stellen etwas wackelte. Im Hintergrund: Visuals, die in ihrer abstrakt-futuristischen Art den Sound der Band wunderbar wiedergaben. Und es wurde auch wieder exzessiv geklatscht - auf der Bühne wohlgemerkt. Kann man, muss man nicht mögen.

Die Musik von PK 18 erfuhr live noch eine zusätzliche Bereicherung durch die Hinzunahme eines Streichquartetts und eines Bläserduos. Da blieben keine Wünsche offen, so dass die Zuhörer nach knapp 90 Konzertminuten förmlich aus dem Gotteshaus schwebten. So schön kann die Erleuchtung sein.

polarkreis18.de

Stefan



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