Carlos Perón "Impersonator I" "Nothing Is True, Everything Is Permitted" "Die Schöpfung der Welt" "Gold for Iron" (1981/83/84/88, Revisited Rec., VÖ: 31.03.2006)

Revisited Rec., Tochterlabel von InsideOut Music, wird 27 Alben des Yello-Gründers und Electronic-Künstlers Carlos Perón veröffentlichen. Den Auftakt machen 4 Alben, die, man kann schon fast sagen wie üblich bei Revisited Rec., remastert und um etliches Bonusmaterial ergänzt wurden.
Das 1981er Album "Impersonator I" ist ein ausgefallenes Electro Avantgarde Werk und hat mit Yello wenig zu tun. 1978 begann Perón mit der Arbeit an der CD, vorher hatte er in San Fransisco die Studios der Band The Residents besucht. Die teilweise extrem kurzen Stücke zeigen denn auch Einflüsse der Residents, beziehungsweise haben die gleiche Radikalität. Rhythmus und Melodie sind von großer Abstraktion. Zu der Zeit lernte Carlos Perón den Sänger Dieter Meier kennen, mit dem er kurz darauf Yello gründete. Dieter Meier rief hin und wieder in der Roten Fabrik, wo Carlos Perón und Boris Blank an exotischen Sounds feilten, an und meinte, sie sollten den "Hippie-Scheiß" lassen und richtige Songs schreiben. Mit "Hippie-Scheiß" hat ‚Impersonator I' jedoch ebenso wenig zu tun wie The Residents. Weibliche Stimmen, schräge Sounds, Rhythmusgeblubber, mechanische Geräusche, wie von Motoren geschaffen und nervöse Stimmungen pulsierender Beats und schräger Sounds - das sind die Markenzeichen der Platte. Zwei Bonustracks sind auf der CD enthalten, Remixe von bereits auf LP enthaltenen Songs.
Die in Perón-Reihenfolge 3. LP ist "Nothing is true, everything is permitted". Ursprünglich 1983 veröffentlicht, ist diese CD-Auflage die erste überhaupt. Perón hatte Chris Lunch (Palais Schaumburg) kennen gelernt, zusammen steckten sie die Sounds zusammen. Noch vor dem endgültigen Mix der Aufnahmen zog Perón sich aus Yello zurück und ging an den Mix. Die LP wurde in 45er RPM Geschwindigkeit geschnitten, belgische DJs spielten sie 33 RPM ab, was den so genannten New Beat begründete.
Die 13 Songs (und 5 Bonustracks) sind mit dem Solodebüt Peróns nicht zu vergleichen. Die Ideen sind erheblich konkreter und "musikalischer", doch trotz erkennbarer Melodie ist die Struktur des Albums immer noch gewöhnungsbedürftig. Electrosounds werden in rhythmischer Monotonie wiederholt, was einen minimalistischen Effekt hat. Neben den sphärischen Electro Avantgarde Tracks sind schräge Dancetunes enthalten, die zeigen, in welche Richtung Carlos Perón in den folgenden Jahren tendierte - und wo grundsätzlich seine Wurzeln liegen. Die Namen der Songs stammen aus dem Roman "Naked Lunch" von William S. Burroughs, den Lunch und Perón verehrten. 4 Bonustracks sind auf der CD enthalten, zudem gibt es eine ganze Bonusdisk, auf der das Programm, das auf der ersten CD in 45 RPM gemixt ist, in 33 RPM enthalten ist.
Das im Vergleich harmonischste und ambienteste Werk Peróns ist "Die Schöpfung der Welt oder 7 Tage Gottes". Als abgeschlossenes Werk ließ die Platte keine Bonustracks zu, ohne den Eindruck der Sounds zu zerstören, so dass es die einzige Produktion ist, die kürzer als 40 Minuten ist. Trotzdem erfüllt die CD-Auflage auch hier komplett, nicht nur durch die Aufmachung, auch durch den fabelhaften Sound. Carlos Perón erfand die Sounds zur Schöpfung der Erde, deren Geschichte Schauspieler Peter Ehrlich erzählt. Die Geschehnisse der 7 Tage der Schöpfung werden in 7 Tracks erzählt, die Sounds untermalen die Story sehr anschaulich und funktionieren wie ein Film (Perón arbeitet nach eigener Aussage wie ein Filmregisseur, der erst eine Vision hat, wie die Sounds klingen sollen und dann verschiedene Musiker um sich herum "wie ein Gefängniswärter" [wie ein Musiker einst meinte] nach seiner Vorstellung zur Arbeit antreibt). Die Schöpfung der Welt wird nicht karikiert oder ironisch dargestellt, klingt jedoch eher wie ein Märchenfilm als der Kaffeesatz der biblischen Geschichte, etwas theatralisch und künstlich, jedoch anschaulich.
Im Vergleich zu den drei vorherigen Alben klingt "Gold For Iron" fast schon wie Yello, sehr poppig, das 1988er Werk. Mit diversen Gästen (Gefangenen?) eingespielt, ist die düstere, eingängige Leichtigkeit der Tracks vielschichtig und melodisch. Perón spielte Opener "Motorman" bereits 1984 Boris Blank und Dieter Meier vor, die sich davon zu "The Race" inspirieren ließen. Verstörende Songs treffen auf flüssigen Dancepop. Insgesamt ist "Gold For Iron" das konventionellste und kommerziellste Werk dieser Serie. 7 Bonustracks ergänzen die originalen Stücke, zudem gibt es auch hier eine Bonusdisk, auf der 8 unterschiedliche "Motorman" Remixes (42 Minuten) zu finden sind.

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VM



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