Panzerpappa "…passer gullfisk" "presenterer hulemysteriet" (Eigenveröffentlichungen 2000, 2002)
"Farlig Vandring" (Avant Audio Productions 2004)

Obwohl Steven Feigenbaum (Cuneiform Records), Chris Cutler (ReR) sowie das Exposé und Tarkus Magazine der norwegischen Band sehr hohe Qualität bescheinigen, müssen Panzerpappa ihre CDs in eigener Regie herausbringen, ihr neuestes Werk "Farlig Vandring" wenigstens findet Unterstützung bei Avant Audio Productions. Ein Grund ist sicherlich die abstrakte Musiksprache, der avantgardistische Rock, dessen sich Panzerpappa bedienen. Der Name spricht für die Musik, hier sind humorvolle Leute am Werk. Heute besteht Panzerpappa aus Steinar Børve (Keyboard, Saxophon), Trond Gjellum (Schlagzeug, Percussion, Electronics), Andres K. Krabberød (Bass, Chapman Stick) und Jarle G. Storløkken (Gitarren). Sie selbst bezeichnen ihre Musik als Progressive Rock, grenzen aber gleich ein, dass es sicher nicht dasselbe sei, wie in den "goldenen" Siebzigern. Auf "…passer gullfisk", dem Debüt und "Panzerpappa presenterer hulemysteriet" waren noch weitere Musiker involviert. Die Musik ist aber im Kern gleich. Panzerpappa wurde im Sommer 1996 ursprünglich als Solo-Projekt des Schlagzeugers Trond Gjellum begründet. Zwar sind die Songs jeweils von der kompletten Band geschrieben, arrangiert, gespielt und produziert worden, wie auf den CDs angegeben. Doch die Idee der Musik stammt von Trond Gjellum.
Panzerpappa spielen ihre Musik verspielter, folkloristischer, jazziger als verwandte Bands, als da etwa Dr. Nerve, Chawata, Deus Ex Machina oder Akinetón Retard wären. Melancholischer, düsterer und epischer geht die Band vor, symphonischer gar, wenn Mellotron-Samples gespielt werden. Das skandinavische Moment setzt sich hin und wieder durch und lässt die Songs so eigentümlich gut und hinreißend geraten.
Oftmals bestimmen Saxophon und Keyboards unisono das melodische Geschehen, auch die Gitarre, elektrisch oder akustisch, lässt sich in das Geschehen ein. Die Songs sind durchgehend fest strukturiert und kompositorisch vorgegeben. Solistische und improvisative Läufe passieren fast überhaupt nicht. In Spitzen geht die komplette Band unisono vor, das steigert sich zu abstrakten und radikalen Höhepunkten, die ziemlich free und schräg die emotionale Höhenlage markieren.
Erstaunlicher Weise jedoch hält die Band sich stets zurück, was Härte, Bombast, Emotionen betrifft. Eher kühl, zurückgezogen, leise spielt sich der ausgeflippte Rock ab. Keine Brachialattacke, die zu marktschreierischer Folter ausholt. Selbst die Höhepunkte gehen eher ins Abstrakte, denn ins Emotionale. So fehlen den Songs die Lösungen. Die streng konzipierte Kopfmusik löst ihre komplexen Knoten nicht. Das lässt die potentiellen Hörer etwas im Regen stehen. Hat allerdings den Reiz, den die Japaner Tipographica, die es leider nicht mehr gibt, so genial zu schaffen wussten: malträtier den Hörer so lange mit überkomplexem Material, bis er genug davon hat. Trotzdem diese Devise hier in emotional gemildertem Klima zutrifft, werden die hoch ambitionierten Musiker eher nicht die Lieblinge der Freaks werden. Panzerpappa sind die still fragmentalisierenden Lyriker unter den Avantgardisten. Ihr überaus komplexes Liedgut ist hervorragend, hat aber (mit Ausnahmen) keinen harten Rock als unterstützende Basis. Trotzdem und vielleicht gerade deswegen muss die Band unbedingt empfohlen werden. Die fröstelnde Komik der Musik kann nur aus den Untiefen der skandinavischen Kälte kommen, inspiriert von einer gewaltigen, schier unbesiegbaren Natur.

panzerpappa.com
VM



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