Orphaned Land "Mabool - The Story of the Three Sons of Seven" (Century Media 2004)

Allem Anschein nach ist "Mabool" das bisher wichtigste und beste Metal-Album des frischen Jahres. Die Musik in den 12 Songs ist eine geniale, anspruchsvolle Mixtur aus Progressive und Black Metal mit einer Fülle verschiedener Zutaten, zuallererst sei da der sehr große Anteil Folklore aus dem mittleren Osten genannt. Aber auch Jazz oder indische Musik finden mehr oder weniger dezente Plätze in diesem grandiosen Werk. Orphaned Land kommen aus Israel. Das ist für eine Metalband schon mal nicht einfach, doch das Quintett zieht sich nicht aus politischen Themen zurück, sondern präsentiert diese direkt und konkret. Orphaned Land´s Musik reflektiert die Harmonien und Einheit der Musik von West und Ost, Licht und Dunkelheit, Judentum und Islam, meint Bandleader Kobi Farhi. Und nennt seine Musik Middle Eastern Metal. Die Vocals wurden in fünf verschiedenen Sprachen gesungen: Englisch, Hebräisch, Arabisch, Jemenitisch und Lateinisch, sowie auf Gibberish, Orphaned Lands eigener Kunstsprache. Mehr als 30 Gastmusiker, Frauen und Männer, waren in die Arbeit zu "Mabool" involviert, zudem neben Violinen, Cello und Klavier einige Metal-untypische Instrumente: Oud, Saz und Buzuki. Nach 7 Jahren Funkstille ein fabelhaftes Zeichen Musik, das weder zu Krieg und Zerstörung auffordert oder eine Seite der jüdisch-palästinensisch-arabischen Auseinandersetzungen vorzieht oder gar fördert, sondern sich für Verbrüderung der Parteien einsetzt. Das Thema der Lyrics setzt sich damit konkret auseinander: Mabool bedeutet Flut, "The Story of the Three Sons of Seven" (=die Helden) ist ein Konzeptwerk, in dem die drei Söhne der monotheistischen Religionen (Judentum, Christentum, Islam) Abenteuer bestehen und gemeinsam versuchen, weiteres Blutvergießen zu vermeiden. Das misslingt leider, und die große Flut verschlingt alles. Die verschiedenartigen Vocals bauen unterschiedliche Charaktere, Grunt und "normaler" Gesang, aber auch Chöre, die sich gegenseitig ergänzen und eine einzigartige Spannung entwickeln. Die Musik wechselt dabei von akustischen, folkloristischen Motiven der drei Völker, Kulturen, Religionen zu hartem Metal. Die Struktur der Kompositionen ist keineswegs schlicht, sondern sehr komplex und befriedigend anspruchsvoll. Orphaned Land haben sich mutig an ein großes Thema gewagt und eine fabelhafte Arbeit abgeliefert. Ihre Fans im vorderen Osten, der Türkei, Europa und weltweit werden ihre Freude haben. Die Hardcore-Black-Metal-Fraktion wird vielleicht die Nase rümpfen ob soviel Religion und Progressivität der thematischen und musikalischen Ideen. Doch Orphaned Land scheuen keine Auseinandersetzung, wie sie keine Anbiederung eingehen, sondern geben wieder, was sie mit selbstbewussten, offenen Augen wahrnehmen. Die Fans im nahen Umkreis werden es am schwersten haben: die Musik ist weder jüdisch noch islamitisch oder arabisch, zumindest werden das die Fundamentalisten aller Lager predigen. Doch Lösungen und Möglichkeiten haben die noch nie angeboten. Orphaned Land setzen ein Zeichen, das ich nur unterstützen kann. Preisverdächtiges Album.

VM

orphaned-land.com
centurymedia.de



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