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OHO "Okinawa" "ecce" "Food For Worms - The Ultimate Diet" "The Oriency Anthology" (Eigenveröffentlichungen)
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Die Geschichte von OHO beginnt 1970 im Bluesette in Baltimore. Keyboarder und Sänger Mark O´Connor, Gitarrist und Sänger Joe O´Sullivan und Gitarrist Jay Grabovski spielten dort als Quinn auf, Blues war ihre große Sache. 1971 spielten Mark, Jay, Jay´s Bruder Jeff (dr) und Keyboarder Trent Zeigen als Little Hans ein 42minütiges Album ein, dass sich mit der Peter Pan - Story auseinandersetzt. Musikalisch ging das Album bereits progressive Wege. Zwei Jahre später experimentierten Mark, Steve Heck und Joe ziemlich wild herum und nahmen das "chaotische Zeug, den Krach, den absoluten Nihilismus" auf. Aus den Initialen der Nachnahmen wurde der Bandname: OHO. Das Debüt, "Okinawa", ist eine schräge Sammlung abgedrehter und eingängiger Songs. Die Band hat mit einer netten Menge Humor gearbeitet. Nichts ist zu akurat und folgerichtig, dafür brechen dynamische Facetten aus den zumeist sehr kurzen Stücken, das es eine Freude ist. Nach heutigem Verständnis könnte man die Songs zwischen Progressive Rock, Avant Rock, Punk und typischem, amerikanischem Mainstream Rock einordnen. Die Kompositionen sind ziemlich schlicht gehalten, dafür bricht die Band mit klugem und nett wildem Verstand stets rasant aus und schert sich den Teufel um Konvention und Nachvollziehbarkeit. Episch-symphonisches gibt es nicht zu hören, aber jede Menge abgedrehte, harte, disharmonische und "fehlerhafte" Musik, die sich aus nett bösem und hintergründigem Humor speist. Als Reissue soll es das Teil als 4teiliges 10´´-Vinyl-Paket im Metallkoffer geben, leider habe ich das Dings nie gesehen. Aber eine etwas simpel aufgemachte CD gibt den vollen musikalischen Inhalt plus jeder Menge Bonusmaterial, welches den Geist der Band ebenso genüsslich auslebt. Ein echter Hinhörer, die 74 Minuten sind äußerst kurzweilig und sehr unterhaltsam! Hin und wieder gar, wenn sich mal ein Song über mehr als 2/3 Minuten ausdehnt, entwickeln sich traumhafte Instrumentalpassagen, die hohes musikalisches Gespür verraten. Der genannte Musikerkreis wechselte in OHO immer wieder mal, es wurden allerlei weitere Songs aufgenommen.
Die Stücke, die mir als nächste vorliegen, sind als "ecce OHO" veröffentlicht worden. 10 Songs, die im selben Geist, etwas gesetzter und gereift, aber auch musikalisch leicht verändert, präsentiert werden. Aufgenommen 1974 und 1975, teilweise live, einiges im Studio, haben sich etwas ernsthaftere Töne eingeschlichen, zum Glück nicht dauerhaft, der Humor, greift wie Hustenbazillen ansteckend um sich. Die Jungs verstehen sich an ihren Instrumenten sicherer, die Themen sind komplizierter und teils ausschweifender. Das ganze wird in einem nicht besonders begeisternden Klang serviert, kein Wunder, die frühen Aufnahmen wurden nicht von einem Ölscheich gesponsert. Da kann eher von Glück die Rede sein, dass die Songs überhaupt eingespielt und erhalten worden sind. Mit "The Oysters", "Cragwheel" und vor allem dem absolut genialen "Hogshead" sind 3 Überflieger an Bord, die wie die Definition des abgedrehten Progressive Rock mit Avantgarde Tendenzen und Proto-Punk-Charakter klingen. Klanglich geht es bei den beiden letztgenannten Songs noch ein Stück weiter in Richtung Garage, dafür ist die musikalische Erfüllung vollständig. Die Ästhetik der Früh-Siebziger Rockmusik erfährt hier einen definitiven Ausdruck in mitreißender Grandiosität, nicht zu beschreiben! Wenn "Okinawa" schon ein tolles Album ist, so ist "ecce OHO" ein unbedingter Tipp. Schön schräg das ganze, und doch eingängig, unterhaltsam, voll Dynamik und Lebensfülle, sehr überzeugend.
In wechselnden Besetzungen, vor allem jedoch sich mit der Zeit verändernden musikalischen Tendenzen ging es mit OHO weiter. OHO III begann 1985 und ist bis heute aktiv. An die "alte Zeit" erinnert nicht viel. "The Oriency Anthology" spielt in 74 Minuten eine Unzahl netter Popstückchen ab, die hin und wieder einige Prog-Reste draufhaben, im Grunde aber nicht viel mehr als typische amerikanische Popmusik sind. Die Sängerinnen haben gute Stimmen, die Songs sind dynamisch angelegt, das ganze ist forsch und nicht blöde, aber rundum Mainstream, hier stimmt übrigens der Klang, nur die Musik hat sich verabschiedet.
Im Februar 1981 gaben sich Gyro, Mike Kearney, David Reeve, Jay Grabovski und Mark O´Connor den Namen "Food For Worms". OHO hatte sich vorübergehend in die Annalen verabschiedet, Progressive Rock war tot und vergessen, New Wave verdarb der Jugend die Sinne. Gaben sich OHO einst als Proto-Punks, so sind Food For Worms Postpunk. Hier und da erklingt eine fette Spur Gothic, New Wave hatte die Band voll im Griff, auch wenn sich hin und wieder so seltsam komplizierte Dinge in den Songs tun, die das Tanzgeschehen leicht irritiert haben dürften. Davon gibt es jedoch wenig, die Band trampelt durch und wünscht Amerika einen guten Morgen. Die Lyrics haben noch immer diesen bissigen, bösen und humorverseuchten Ton, wenn auch nicht in dieser quasi-naiven Leichtigkeit und Sensibilität. Alles in allem sind dies wieder einmal 74 unterhaltsame bis unerträgliche Minuten. Zwar hat die Band auch mal ein paar nett-schräge Sachen drauf und tummelt sich munter im wilden Bereich, darauf muss man jedoch lange warten und etliche Easy Listening-Schmonzetten überwinden. Die Zeit blieb vor niemandem stehen, in den Achtziger Jahren war extravagante Rockmusik verpönt, alles pegelte sich auf billiges Zeugs ein, wovon bis heute alle vergesellschaftlichten Orte quäken. "Food For Worms" war sicherlich eine ambitionierte Truppe, die in ihrer Zeit Musik für den Kopf machte, ohne sich um vergangene Ambitionen zu scheren. Heute, mit dem zeitlichen Agstand, wirkt manches komisch, witzig oder vergaloppiert, anderes jedoch fein ziseliert und gekonnt inszeniert. Leider setzte sich in den Achtzigern der Hang zu einfacher Musik durch, der Trend machte auch vor "Food For Worms" und den später wieder zueinander findenden OHO nicht halt. Dafür gibt es heute, aus dem Archiv, eine erhebliche Spannbreite. Die Old School Prog Freaks sollten nach Okinawa und ecce jedoch nicht die Lust ausprobieren, mehr von diesen Musikern zu hören. Da ist solches nix mehr.
ohomusic.com
VM
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