Non Credo "Impropera" (Gazul Records, GA 8683.AR, 2006)

19 Jahre nach Reluctant Hosts (NML) führte mich ein Link des Schicksals auf die MySpace-Seite von Kira Vollman & Joe Berardi und die kuriose Hate-Mail-Kontroverse über ihren letztjährigen Streich, die komische Oper "Impropera". "I do not as of now wish to have any sort of relationship with anyone who would throw noises together in such a terrible way", schrieb da einer, der partout kein Freund von NON CREDO sein wollte. Der Anlass für diese Aversion läuft nun bei mir im Repeatmodus und ist nicht einfach zu beschreiben, aber nach allen mir bekannten Kriterien ein Anschlag auf das Zwerchfell und eine Herausforderung für die Hirnregionen, die für Frischeschocks und prickelnd Undefinierbares zuständig sind. Das Lustprinzip neigt nun mal dazu, dem Realitätsprinzip eine Nase zu drehen. Zur ‚Oper' qualifizieren sich die drei Akte ‚Nudo e Crudo', ‚Sono Confuso' & ‚Faccia Brutta' durch "high drama, a foreign language, acrobatic vocalizing, repeated musical motifs and colorful characters." Nur ist die Musik, die aus dem Orchestergraben herauf schallt, von Berardi ausschließlich per Samplingkeyboard kreiert. Für das Libretto und das akrobatische Belcanto ist Vollman zuständig, dazu spielt sie eine irre Bassklarinette und perkussive Verzierungen. Was da erklingt, spaltet. Von den 3632 Myspace-Bummlern, die an ‚8 Bit Whore' schnupperten, machen 3550 verschreckt den Deckel schnell wieder zu. Dabei malen Pandora & Joe nur einem von Jim Thirlwells opulent-perversen Foetus-Soundtracks einen surrealen Schnurrbart an und stecken ihn in ein Exoticakostüm, das Dali für Kabuki entworfen hat. Vollman tiriliert, wispert und sprechsingt in der Manier einer Catherine Jauniaux, einer Yma Sumac, eines Klaus Nomi, Zeilen wie "Deep, deep down, way underground / In the belly of the beast I found my way." Horrorgeschichten wie ‚Sleeping Beauty' folgen auf giftige Phantasien wie "Lunching on a Munchkin / Who was munching quoting Pushkin / When I crept up with a pushpin / and I popped his little ass" oder unappetitliche in einem Gefängnis in Bangkok: "Dreaming of cats and rice for lunch / Dreaming of dogs and rice for dinner / Waking to find only roaches and mice." (‚Sicka Siam') So schräg die Poesie ist, sie wirkt fast rechtwinklig im Vergleich zur Musik und den überkandidelten Manierismen der Vokalisation, die hochdramatisch Gipfel krasser Bizarrerie erklimmt. Auf diese Bizarrerie führt schon Alex Gross hin mit seinem Covergemälde ‚The Burning of Tokyo'. Non Credo sind übrigens auch durch Myspace auf Gross und seine von japanischen Holzschnitten, viktorianischen Werbeplakaten, Dix und Grosz und Flämischer Gothik inspirierten Arbeiten gestoßen. Mit Impropera geben sie seinen ‚amazing asshole quivering masterpieces' die passende Stimme und den entsprechend ‚amazing' Sound. Vielleicht ist das nicht ‚Prog' genug für Usbekistan, aber "hilarious hurly-burly" (M. Ricci) zuhauf für Leute, die kollidierende Extreme und gewagte Manierismen lieben.

musearecords.com
rbd / bad alchemy



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