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My Dying Bride - For Lies I Sire (Peaceville Records 2009)
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Es ist gar nicht so leicht, mich bei einem neuen My Dying Bride Album auf das Wesentliche zu fokussieren, denn 14 Jahre ist es nun schon her, dass ich mich auf einen Schlag in deren damals aktuelles Album "The Angel and the dark River" verliebte - eine Faszination, die mich nie mehr losgelassen hat. Allen Entwicklungen der Band wie auch der persönlichen Musikvorlieben zum Trotze, MDB sind immer geblieben.
Nun war die Erwartungshaltung bereits schon mal deutlich größer, da die im laufenden Jahrzent von vielen Besetzungswechseln geplagte Band mit dem letzten Album "A Line of deathless Kings" streckenweise unter ihren Möglichkeiten blieb und zudem beim Doom Over Tilburg Festival im Spätsommer 2008 in den Niederlanden einen eher blassen Auftritt hinlegte.
Die größte Neuerung derweil ist klar: Die Geige ist zurück, einst ein Markenzeichen der Band, auf das man nach dem Ausstieg von Martin Powell zum Ende der 90er verzichtete und damit die Melodieführung fortan alleine auf Gitarre und Keyboard verlagerte. Dazu durfte man gespannt sein, wie die mittlerweile im Kern auf die beiden Gründungsmitglieder Aaron Stainthorpe (Gesang) und Andrew Craighan (Gitarre) reduzierte Band diesmal ihr Songwriting gestaltet, nachdem "A Line of deathless Kings" hörbar bei dem 1996 veröffentlichen "Like Gods of the Sun" ansetzte und die vorherigen Ausflüge in schwarzmetallische Härtgefilde erst einmal ad acta legte.
Nun, auch "For Lies I Sire" hat wenig in dieser Richtung zu bieten und schon nach wenigen Durchläufen zeigt sich, dass das zehnte Studioalbum der Nordengländer beachtlich kompakt ausgefallen ist und auffallend heterogen wirkt. Wenngleich einmal mehr im letzten Drittel des Albums die Experimentierfreude Einzug hält, wirken My Dying Bride doch überraschend gefestigt und haben gleich einige Stücke zu bieten, die sich selbst hinter den großen Glanzlichtern ihrer eigenen Historie nicht zurückstehen müssen. Die vordringlichsten Kandidaten sind der betörend schöne Titelsong, der wie eine dynamischere Variante über 10 Jahre alter Großtaten klingt und zu dessen Gelingen Geigern Katie Stone deutlich beiträgt - und das sehr elegische "Echoes from a hollow Soul", welches die Band von ihrer doomigsten Seite zeigt und wunderbar fliessend arrangiert ist.
Das Schönste für mich dabei - MDB klingen absolut authentisch und organisch, nichts ist zu spüren von solch konstruierten und pathetischen Fehlleistungen wie "The Black Lotus" und "Deeper down". Dazu passt, dass die Gesangsleistung von Aaron Stainthorpe durchweg hervorragend ist, auch dann wenn es doch mal etwas ruppiger zur Sache geht (die aggressiven Einschübe in "ShadowHaunt" klingen richtig klasse) oder Aaron in dem von ganz unterschiedlichen Stimmungen getragenen "Santuario di Sanguine" selbstbewusst sein gesamtes Spektrum vortragen kann.
Die Überraschung folgt dann kurz vor Schluss, die Briten beziehen sich auf ihre Death-Metal-Wurzeln und hauen ein Stück raus, das Erinnerungen an die Demo-Ursprünge und Songs wie "God is alone" von 1991 wach werden lässt. Zwar auch hier in einem sehr viel moderneren Gewand, doch angesichts der vorherigen Stücken unerwartet brachial. Da bleibt jedem selbst überlassen, dies als übermütigen Ausritt abzutun oder als willkommenen Aufwecker zu begrüßen, bevor das gut 11minütige "Death Triumphant" sich dann abschließend wieder in doomiger Elegie ergeht und auch hier keine Wünsche offenbleiben.
Es ist also letztlich nicht in erster Linie die Geige, die den Briten neue Kraft verleiht, es sind viel mehr die Konzentration auf die eigenen Stärken und die wohl durchdachten Stücke, die "For Lies I Sire" zu einem vollauf empfehlenswerten Album machen und My Dying Bride auch 2009 noch für eine blühende Zukunft gerüstet erscheinen lassen.
Volker Schulz
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