MONEYBROTHER, Live am 02.10. 2007 im Starclub Dresden

Font Màgic des Pop-Bizz

Kann man ein Rockkonzert mit einem Springbrunnen vergleichen? Kann man. Gesetzt den Fall, es handelt sich um einen ganz besonderen Springbrunnen und gesetzt den Fall, es handelt sich bei den Herren auf der Bühne um Anders Wendin, besser bekannt als Moneybrother, und seine Mannen. Aber vorerst zum Springbrunnen. Die Font Màgic vor dem Nationalpalast in Barcelona in Aktion ist vermutlich das bombastischste, grandioseste Kitsch-Event auf Gottes Erdenrund. An bestimmten Wochentagen vollführt diese riesige Ansammlungen von Fontänen des Abends eine zweistündige, in wechselnde bonbonfarbene Lichteffekte getauchte, wässrige Choreographie, begleitet von schwülstigen Opernmelodien oder mitunter auch Pink Floyd. Die Wasserspiele tragen ihren Namen völlig zu recht: Bevor man auch nur Gelegenheit hat, sich Sorgen über die sich aufrichtenden Härchen an seinen Unterarmen zu machen, ruft diese riesige Emotionsmaschine Gefühle in einem wach, von denen man bis dato gar nicht wusste, dass es sie gibt. Und macht glücklich.
Und so ähnlich ist es auch mit Moneybrother, zumindest in der Live-Version. Der Herr Volkmann von einer bekannten Musikgazette schrieb über das aktuelle Album "Mount Pleasure" sinngemäß Folgendes: Seine Redaktionkollegen hätten ihn aufgefordert, mit dem Tanzen aufzuhören, vom Schreibtisch runter zu gehen und die zu Boden geworfenen Papiere wieder aufzuheben, denn die neue Moneybrother fänden sie nun echt nicht so toll. Vor dem Schlüsselerlebnis im Starclub - und in Kenntnis des Albums - war der Autor dieser Zeilen geneigt, den Kollegen des Herrn Volkmann Recht zu geben, danach konnte er Volkmanns Emotionsausbruch uneingeschränkt nachvollziehen. Anders Wendin, der Sean Penn des Rock'n'Roll, ist aber auch ein Charmebolzen, dem vor der Bühne nicht nur die Mädchen zu Füßen liegen. Und wenn man an anderer Stelle von "Pop für 35-Jährige" lesen musste, ist dies als krasses Fehlurteil zu bewerten: Das versammelte Publikum war im Schnitt mindestens zehn Jahre jünger und tanzte sich angesichts Moneybrothers spritziger Mischung aus Rock, Pop, Soul und 70s Disco, aus Joe Cocker, Sam Brown und Joe Strummer in Ekstase. Moneybrother ist die Font Màgic des Pop-Bizz mit allen entsprechenden Auswirkungen, mehr ist dem kaum hinzuszufügen. Außer der Tatsache vielleicht, dass Wendin und seine erstklassigen Musiker selbst auch jede Menge Spaß hatten und sich zugabentechnisch nicht groß bitten ließen: eine Eineinhalb-Stunden-Show, wo hat man das heutzutage schon noch.

Text: André Hennig
Fotos: Cordelia



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