CORVUS CORAX live am 15. Juni 2003 auf dem Stadtfest Hanau
SALTATIO MORTIS live am 23. Juni 2003 im Arkadenhof Aschaffenburg

Zwei Mal Mittelalter in der Moderne

Hanau Schlossplatz 21 Uhr: Die Könige der Spielleute, wie Corvus Corax genannt werden, lassen auf sich warten. Königen steht das auch zu. Das Volk vertreibt sich die Zeit unter riesigen Sonnenschirmen einer Frankfurter Brauerei. Mittelalterflair sucht man vergebens. Die Leute im Publikum, die man wegen ihres Äußeren als Corvus-Corax-Kenner deuten könnte, sind in der deutlichen Minderheit.
Aschaffenburg Arkadenhof 20 Uhr 30: Auch Saltatio Mortis lassen sich Zeit. Das Publikum im Innenhof der ehemaligen Kirche ähnelt dem in Hanau. Nur seine Zahl ist geringer. Der Hof ist bestuhlt, für die Band steht eine kleine Bühne in einem Plaste-Pavillon bereit. Mittelalter-Feeling? Fehlanzeige!
Als Corvus Corax in Hanau die Bühne betreten und die ersten Töne erklingen, springt der Funke sofort auf das Publikum über. 15 Jahre Bühnenerfahrung zahlen sich aus. Die acht Spielleute, drei Trommler und fünf Dudelsackspieler, inszenieren sich perfekt und professionell. Ihre selbst gefertigten Kostüme passen sich in ein wunderbares Gesamtbild ein. Die Spielfreude ist offensichtlich. Knappe und humorige Ansagen erklären woher die Songs stammen oder worum es in ihnen geht.
In Aschaffenburg haben es sieben Musikanten, zwei Trommler und fünf Dudelsackspieler, in den Pavillon geschafft. Doch ehe es losgeht, müssen sie noch kurz ihre Instrumente aufeinander abstimmen. Die Fan-Fraktion formiert sich derweilen in vorderster Front und versperrt den Sitzenden somit die Sicht. Saltatio Mortis mühen sich redlich, können aber nicht jeden von seinem Sitzplatz reißen. Auch die Einbeziehung der Gäste in ihre Show, gelingt nicht so ganz. Wie die Gaukler des Mittelalters erzählen sie zwischen den Liedern Geschichten. Doch die wirken auf Dauer etwas bemüht, sind langatmig und laufen immer auf das eine hinaus. "Schweinskram", wie Trommler Lasterbalk es nennt. Die Kleidung der Sieben wirkt bunt und wahllos zusammengewürfelt.
Corvus Corax haben mit zunehmender Konzertdauer den ganzen Platz hinter sich. Es tobt eine Party, die immer mehr Neugierige gen Bühne zieht. Besonders die hypnotischen Trommelrhythmen sind es, die in Blut und Beine gehen. Wären da nicht die weißen Sonnenschirme, die in der hereingebrochenen Dunkelheit schimmern, könnte man sich wirklich in eine längst vergangene Zeit zurückversetzt fühlen. Frenetischer Applaus beendet nach zwei Stunden ein wunderschönes Konzert. Saltatio Moris machen nach einer Stunde Spielzeit erstmal eine halbe Stunde Pause. Die Reihen der Stehenden und Tanzenden sind da aber schon deutlich angewachsen. Dennoch fehlt das gewisse Extra, der letzte Kick, der dieses Konzert zu einem Highlight kürt. Die Musiker mühten sich nach Kräften, doch vielleicht sind sie dabei zu bemüht. Eins steht nach diesem Gig fest. Die wahren Könige der Spielleute waren neun Tage eher und circa 30 Kilometer weiter, in Hanau zu sehen.

LARS




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