Das mobile interactive computer ensemble ist keine Band im herkömmlichen Sinn und auch kein loses Ensemble, sondern eine weltweite Bündelung diverser Musiker in verschiedenen Projekten, die sich hier für ein Motto vereinen: den Sound der Welt auszudrücken. Das tun sie mit äußerst unterschiedlichen Mitteln und unter Nutzung diverser musikalischer Stile.
Das Ergebnis ist kurios und frappierend. Schon der erste Take, "Sandprints", ist geradezu komisch und sehr originell. Ein Computer spielt einen simplen, monotonen, aber verspielten Rhythmus, zu dem ein paar Leute das stets gleiche lässige Motiv pfeifen, ja: pfeifen - dazu "erklingt" der Sound des Sandes aus der namibischen Wüste, mit hochfrequenten Mikrophonen aufgenommen und im Computer verschnipselt, angereichert, rhythmisiert. In den sieben Minuten kommt keine Sekunde Langeweile auf, trotz der stets gleichen Struktur. Da verändern sich die Gewichte, die Pfeifer werden leiser, eine (scheinbare) E-Gitarre jault, der Sand stürmt, der "Song" bekommt Emotion und Energie und könnte länger so weitermachen.
Der Track im Anschluss wurde in Cape Town, Südafrika aufgenommen. Die 11 Minuten sind ein Mix aus ambienten Naturtönen, dunklen Keyboardsounds, akustischer Perkussion und Sopransaxophon. Jazz-World entflicht sich episch, könnte als Heil-Musik dienen, so entspannend, besänftigend und dennoch erhaben und künstlerisch klingt die verspielte Note. Meeresrauschen, Klangschalen, Stimmen, die in verschiedenen Sprachen aller Länder der Welt reden, zart eingesetzte Blasinstrumente, elektronische Perkussion, Wasseroberflächenklänge, Unterwassersounds, Aufnahmen eines Lavastromes, folkloristische Saiteninstrumente - aufgenommen in der Mitte des Atlantischen Ozeans, unter Wasser in der Mitte des indischen, in Hong Kong, Pacaya, Guatemala, im indischen Chennai - nicht ist beliebig, sondern inspiriert und berauschend, die Ergebnisse könnten nicht überraschender, beruhigender, lyrischer sein. Die Naturklänge wurden nicht verpoppt, nichts ist Dance, trotz Computerrhythmen oder echter Perkussion, die Sounds fließen, schieben und stoßen sich und schaukeln gemächlich und entspannt dahin. Folk und Jazz weben sich sensibel unter die Natur- und Folkloreklänge, Stimmen und Samples - und nichts scheint, als würde es dem Ursprung entstammen, dem es in den Texten des Digipacks zugeordnet wird.
Verschiedene Musiker haben die Sounds aufgenommen, zusätzliche Klänge eingespielt und untergemixt, die Klangatmosphäre gezaubert. Das große Ensemble besteht aus 21 Musikern, manche mögen nur ein Aufnahmegerät bedient haben, andere Jazzinstrumente, jene Computer. Keine handgemachte Musik im herkömmlichen Sinn ist hier zu hören, aber ein beeindruckender Tonrausch, der ungemein in den Bann zieht und jede Krise, jeden Stress verdrängt. Es gibt keinen harmonieseligen Kitsch, keine Allerweltsentspannung und nichts Anbiederndes. Mice spielen echte, wirkliche Musik für Geist und Körper.
Nur der abschließende Track, Schnipselware aus diversen Radiostationen, klingt wie tonaler Müll, wie das, was nirgends gern gehört werden mag. Kein gutes Ende für die exklusiv grandiose CD.
ecosono.com
VM
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