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Metalspecial II/2006
Cortez "Initial" (Exutoire Records 2005)
hellMotel "Hang Us Young" (Radar Swarm Records 2005)
The Bloodline "Where Lost Souls Dwell" (Rebel Monster/Mascot Music, VÖ: 27.02.2006)
Sadus "Out for Blood" (Mascot Records, VÖ: 27.02.2006)
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Cortez spielen extrem schweren Hardcore, was besonders in den über 10 Minuten langen Stücken "l'enjeu" und "patriarche" quälend und anstrengend ist, stets jedoch auch eine gelungene technische Komponente hat, das Schlagzeugspiel der Schweizer Band ist faszinierend. Eröffnet haben Cortez für Dillinger Escape Plan, Isis, Unsane und Burst, die Gesangsdarbietung ist wie bei Dillinger Escape Plan: heiser herausgequälte Schreie, leicht ins Off gemixt, hören sich an, als würde ein Monster beim Fleischfressen gestört worden sein und sich giftig darüber äußern. Zwischen den Brutal-Attacken sind vorzügliche atmosphärische Parts zu finden, die großflächige Motive entwerfen und mit avantgardistischem Progressive Rock (King Crimson live 1973) verwandt sind. Bester Eindruck: das Schlagzeugspiel des ungenannten Schlagzeugers.
Lustiger Titel: "Hang Us Young", dachten die Jungs der Punkmetaller von hellMotel an den AC/DC Kollegen Angus Young? Oder sind sie wahrhaft daran interessiert, früh am Strick zu baumeln? Drehen sie uns den Strick? Nun, die Texte vermag ich nicht nachzuvollziehen, der englischsprachige Brüllgesang geht im Gitarrenrausch fast unter, ist nur eine weitere Komponente der Harmonien der 10 Tracks. Das Album beginnt stürmisch, fegt den Staub von den Boxen, ist dabei jedoch kein Stück technisch. Das Schlagzeug hoppelt wie in der Popmusik, nur mit dem harten Double-Bass-Effekt, die Gitarren beschränken sich auf rudimentäre Melodiesprache und lauten Krach, nun, den Gesang hatte ich bereits erwähnt. Die hatten bestimmt eine äußerst gute Erziehung, akademische Elternhäuser, sind wohlbehütet, gesund und satt und dürfen ihre Mätzchen in der ausklingenden Kindheit austoben, damit das spätere Anwaltsdasein sich ungetrübt im Wohlgefallen des Betrachtens des Steigens des Kontostandes ergehe. Aber zugegeben, irgendwie macht der Krach auch wohlige Gefühle, ist nett, was die hier machen, und hübsch.
The Bloodline stehen für psychedelischen Gothic Metal. Die schrägen Gitarrenakkorde zwischen den Themen hat einst Robert Fripp erfunden. Zumeist jedoch beschränkt sich der Gitarrist im Spiel schwerer Riffs, und die sind düsterer, schwerer Power Metal. Die atmosphärischen Tracks sind voll melancholischer Symphonik, worüber der böse Sänger seine tiefe Stimme auskippt und die Elfensängerin zarte Voices schweben lässt. "Where Lost Souls Dwell" kann als Rock-Oper durchgehen. Wenn die einzelnen Tracks auch kein ganzes Konzept ergeben, so sind die 9 Songs doch ein harmonisches, klanglich geschlossenes Ganzes. Die Holländer The Gathering haben ihre Einflüsse in die Band gegossen, vor allem der weibliche Gesang und die melodisch eindrucksvolle Struktur der Songs geben das wieder. Die dunklen Stimmungen machen einen guten Eindruck, die CD will ein paar Male gehört werden und wird bei jedem Mal magischer. Im Pressetext steht was vom perfekten Soundtrack für die Endzeit, nun, das soll's ja noch nicht sein, oder? Darum darf die CD in einigen tausend Jahren wiederkommen. Danke für den guten Ersteindruck, aber ihr seid vor eurer Zeit!
Nach den drei düsteren gibt es noch eine lustige Kapelle. Sadus singen in "Sick": "Kugel kommt rein… Gehirn kommt raus". Später wird daraus: "Kugel geht rein… Scheiße kommt raus", geradezu clownesk, oder nicht?!? Wie dem auch sei, der aggressive Thrash Metal des Trios ist musikalisch alles andere als blöd. Es gibt technische Ansätze, aber nur Ansätze, der Band liegt mehr an düsteren Riffs und an nichts weiter als Härte. Auf der Bühne schwingen die Boys ihr zugegeben wunderschönes und gut gepflegtes langes Haar (da kann ich mit meiner wachsenden "glatzialen Serie" nur neidisch werden!), bedienen teure Instrumente und zu Hause darf die Kleine keine bösen Trickfilme sehen. Vermutlich ist das Spielen, vor allem live auf der Bühne, solch dreckigen, bösartigen und textlich lustiges Thrash Metals eine Art Therapie, nicht ganz nebenbei kann man damit sicher viel Geld verdienen, denn diese Jungs wissen ganz genau, was sie machen und haben großes Geschick und Intuition. Für Fans.
cortez.ch
hellmotel.com
thebloodline.org
sadus.us
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