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MELVINS, Live am 17.09.08 im Beatpol Dresden
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Zwischen komplexen (De-)Konstrukten und Krachorgie
Es gibt Konzerte, zu denen muss man einfach gehen - selbst wenn die gespielte Musik nicht unbedingt den eigenen Präferenzen entspricht. Wenn die Melvins in der Stadt sind, tritt ein solcher Fall ein. Denn niemand, der auch nur ansatzweise rockmusikalisch sozialisiert wurde, wird den Legendenstatus des Quartetts um Buzz Osborne bestreiten.
Nachdem die beiden Supportacts Big Business und Porn (beide teilweise aus den Melvins rekrutiert) besonders lautstärkemäßig beste Vorbereitungsarbeit geleistet haben, erscheint die zwar ergraute, jedoch nach wie vor prächtige Lockenmähne von King Buzzo. Von Beginn an macht die Combo klar, dass es ihr um nichts weniger geht als ihre Idee von Rock'n'Roll zu zelebrieren. Diese Idee ist inzwischen ein viertel Jahrhundert alt - und entzieht sich jeglicher Schubladen. Noise Rock, Hardcore-Punk, Grunge, Heavy Metal, Doom Metal, Indie-Rock, Stoner Rock - alles irgendwo punktuell zu finden, aber das Melvins-Gesamtkunstwerk ist weit mehr als das. Wenn etwa Dale Crover und Coady Willis ihre Schlagwerke einem Uhrwerk gleich beARBEITen, können die Zuhörermünder nur fasziniert offen stehen. Dazu gesellt sich ein nicht weniger intensiv agierender Jared Warren am Bass. Und als Krönung der stets nur auf der rechten Bühnenseite bleibende, aber dennoch unglaublich präsente Buzz Osborne an Gitarre und Mikro.
Welcher Titel gerade performt wird, spielt keine Rolle - zumal alle Stücke irgendwie ineinander überzugehen scheinen. Immer wieder erkennt man Versatzstücke, das eigentlich Faszinierende aber ist die hypnotische Wirkung, die sich irgendwann einstellt. Die Melvins sind nicht von dieser (Musik-)Welt, was sicher ein Grund ist für den nie wirklich vollzogenen Durchbruch. Und wenn Mister Warren beim allerletzten Stück die Bühne verlässt, um einem durchgeknallten Zombie gleich sein Spielchen mit den Besuchern zu treiben, bleiben keine Fragen mehr offen: Für ihre Fans sind die Melvins die (De-)Konstrukteure komplexer, vielschichtiger Noise-Tracks. Alle anderen werden in einem Melvins-Gig nicht viel mehr erkennen als eine einzige Krachorgie.
melvins.com
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