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Melt! 2008, 18. bis 20.07.08
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Die Grenzen des Wachstums
Samstag, 21.00, Hauptbühne: Der Himmel ist schwarz. Es blitzt, schauert und windet. Ein gummigestiefelter Vierzehnfüßler mit einem Rücken aus weißer Plane strauchelt zielgerichtet über den Platz zur mit Plastik bemäntelten Masse vor der Bühne, die - dem Unwetter trotzend - geduldig auf "The Notwist" wartet. Zu sehen ist bisher nur die zum Schutz vor Wasser eiligst eingetütete Technik. Doch mit dem Nachlassen des Regens erscheint auch die Band und entschädigt die triefenden Wartenden, die planschend in den Pfützen tanzen.
Das zum elften Male stattfindende Festival, das seine passende Tagebau-Baggersee-Kulisse in Ferropolis bei Dessau gefunden hat, war diesjährig ein brodelnder Mud Pot, doch nicht ohne Vergnügen, vor allem aufgrund des wieder mal hochkarätigen Line-Ups. Adam Green, Kate Nash, dEUS, Editors, The Notwist, Franz Ferdinand, Róisín Murphy und Björk, um nur einige zu nennen, ließen - eingerahmt von riesigen, lichtbespielten und feuerspuckenden metallenen Braunkohlebaggermonstern - die Ohren schmausen.
Die Qualität des Programms der letzten Jahre mehr als haltend, schien das Melt! diesmal auch quantitativ über sich selbst hinauswachsen zu wollen, büßte damit allerdings ein: Es konnte die angereisten 20.000 Festivalfreaks nur ächzend unterhalten, beköstigen und unterbringen. So verloren die Acts der vielen kleinen Nebenbühnen und -hallen ihren Reiz, weil es sich - eingequetscht zwischen bewegungshungrigen und -gehemmten Körpern - nur schlecht tanzen ließ. In der als Chillroom angedachten "Orangerie" herrschte schnell das Ambiente einer überfüllten Bahnhofshalle. Vor den viel zu wenigen Toilettenhäuschen bildeten sich nicht enden wollende Schlangen, deren Bestandteile Geduld wie auch unempfindliche Nasen und Mägen mitbringen mussten. Die Ungeduldigen entledigten sich woanders, auch schon mal inmitten der Menge vor der Hauptbühne. Das Camp versprühte den Charme eines Auffanglagers, zeitweise auch einer Müllhalde, die das Tragen von Flipflops zu einem gewagten Abenteuer werden ließ. Und das Chaos am "Bändchentausch" sowie die mehr als fragwürdige Fotograben-Politik beim - immerhin grandiosen - Björk-Auftritt sorgten dann endgültig dafür, dass diese Melt!-Ausgabe in weit weniger angenehmer Erinnerung bleiben wird als die vorangegangenen. Vielleicht sollten sich die Veranstalter in Zukunft doch noch mal Gedanken um die Grenzen des Wachstums machen.
Aber wenn der auf die Zelt- und Autodächer prasselnde Regen das Gröbste weggewaschen und vorrübergehend der Sonne Platz gemacht hatte, die einen fetten Regenbogen in den Himmel malte, ging trotz allem ein gemeinschaftliches Raunen und Jubeln durch das Camp, ließ die Masse Stimmung tanken und erneut, mit Sonnenbrillen, Capes und Gummistiefeln ausgerüstet, zum Festivalgelände ziehen.
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Sabine Dreßler/André Hennig
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