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Max Raabe & Palast Orchester "Live in Berlin - Heute Nacht oder nie" (SPV Recordings, VÖ: 30.10.2009)
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Eine wunderschöne Box präsentiert das SPV Recordings Label mit dem 2 DVDs + 1 CD starken Konzertmitschnitt "Heute Nacht oder nie". DVD 1 enthält das am 20. und 21. Februar 2009 im Admiralspalast in Berlin aufgezeichnete vergnüglich-heitere 112 Minuten lange Konzert des illustren Palast Orchesters samt seiner Stimme und Präsentation Max Raabe, der den Stil des Orchesters (sprich Orchester, nicht Orkester) bis in Haarspitzen und Lebensstil samt Wohnungseinrichtung verinnerlicht hat. Max Raabe lebt die Musik des beginnenden 20. Jahrhunderts. Er rollt das "R", ist akkurat in Frack mit Schwalbenschwanz gekleidet, hat die Frisur streng und keck nach hinten gekämmt und benimmt sich als Conferencier höflich, vornehm und leicht anzüglich. Seine Moderation ist in Wort, Mimik und Bewegung gut einstudiert, ungemein witzig und schlicht herrlich (hier ist dieses alt gewordene Wort einmal wieder passend). Sein Spiegel hat viele Stunden mit Max Raabe verbracht und ihm Schauspiel beigebracht.
Das Palast Orchester beweist nicht nur, dass es technisch und handwerklich allerliebst begabt und geübt ist, sondern auch, dass ein jedes einzelne Mitglied (mit seinem jeweiligen Charakter und seinem persönlichen Auftreten) (samt Grimassen und Orchester-Interaktion) ungemein Spaß und Spielfreude an dem rasanten Konzert hatte. Die Dame an der Violine, die tatsächlich Cecilia Crisafulli heißt (falls jemand anrufen möchte) nicht allein ist wunderschön, die Aufnahme und bildliche wie Tonwiedergabe des Konzertes sind insgesamt hinreißend.
Das Orchester und sein Gesicht spielen und singen Orchesterklassiker in überwiegend deutscher und in englischer Sprache. "Heute Nacht oder nie" eröffnet den Reigen, der witzig vitale instrumentale Läufe im Orchester erkennen lässt, wie dies anschließende Songs ebenso tun. Die Band spielt sich des Öfteren die instrumentalen Bälle zu, nimmt diese auf und treibt ihr kurzweiliges Spiel damit. So gibt es Baritonsaxophon zu hören, Xylophon, Sausaphon - und die ganze Bandbreite in Orchester und Jazz aktiver Blechblasinstrumente. Als Gast in einem von zwei Orchesterherren neben Max Raabe hinreißend gesungenen Vokalsong ist Thomas Quasthoff zu sehen und hören.
Das elegant präsentierte und fabelhaft fotografierte Konzert sieht sich wie ein Kinospielfilm. Die große Aufnahme ist so ungemein gut eingefangen, dass die 112 Minuten wie nichts schrumpfen und ein hinreißend unterhaltsames Vergnügen sind.
Nicht mehr dazu als: unbedingt ansehen und -hören.
Damit nicht genug. Die Box enthält eine weitere DVD. Das "Making Of" der von Michael Ballhaus als künstlerischem Direktor inszenierten Show. Ein Blick hinter die Kulissen, hinter die Idee. Max Raabe wird interviewt, fahrende Kameras sind in Fahrt zu sehen. Das Orchester war mit der Show in Los Angeles, New York, Berlin, Tokio, Paris, San Francisco, Budapest, Krakau, Athen und weiteren Orten unterwegs. Herzklopfen überkommt mich allein bei der Vorstellung, was das Orchester an Spielfreude, Reaktion des Auditoriums und Weltreise erlebt hat. Das Booklet gibt einen kleinen Einblick in die fast unwirkliche Erlebniswucht dieses "Arbeitslebens" wieder.
Noch einmal: damit nicht genug. Da ist noch die CD. Neunundzwanzigeinhalb Minuten lang enthält sie die im Konzert eingespielten Songs des Bühnenrepertoires, die in der Palast Orchester Einspielung noch nicht auf CD veröffentlicht worden sind. 10 Songs, herzerfrischend lebhaft und enorm vital, instrumental kurzweilig und von Tanzbein anreizender Liedhaftigkeit. Auch ohne Bild ist das, was das Orchester auf der Bühne gespielt hat, von großem Reiz und verwirrender Ansteckungskraft. Viel zu kurz und schnell vorbei (ebenso wie das just 34 Minuten lange "Making Of" auf DVD2), bleibt nur, die weitere Aufmerksamkeit auf Max Raabe und das Palast Orchester zu lenken.
Präsentation der dreifach aufklappbaren Box: elegant. Todschick.
Wenn nach dem Arbeitstag der Abend so ausklingt, sehen die grau gewordenen Bilder meines längst verstorbenen Großvaters, der diese Klänge aus dem Radio liebte, ganz anders aus. Als hätte ich den Maler gekannt…
palastorchester.de
VM
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