SCOTT MATTHEW, Live am 17.04.08 in der Scheune Dresden

Trauriger Kammermusik-Folk mit Hoffnungsschimmer

Man sollte nicht unbedingt am seelischen Abgrund stehen, wenn man sich den Klängen von Scott Matthew (dem Einen oder Anderen bekannt durch seine Soundtrack-Beiträge zur Komödie "Shortbus") widmet. Denn sonst kann es passieren, dass man am Ende springt. Nun saß der australische New Yorker in der Dresdner Scheune auf einem Barhocker und spielte seinen Kammermusik-Folk live. Er war nicht allein gekommen, sondern in Begleitung von einem Trio an Piano, Bass, und Cello. Wenn er an seinen Hosen nestelt, seinem Bassisten ans Knie fasst oder auf dem Hocker hin und herrutscht, wirkt der bärtige Mann leicht unsicher. Und auch zerbrechlich, ganz so wie seine Stücke. Das Rotweinglas scheint ihm ein wichtiger Halt, um die Zeit zwischen den Songs zu überbrücken. Spätestens wenn er sich dann - teilweise mit geschlossenen Augen - in seinen zarten Melodien verliert, ist alle Unsicherheit verflogen.

Scott Matthew zaubert mit seiner warmen, androgynen Stimme eine fast religiöse Stimmung in den Saal. Wer so singt, ist nicht unumstritten. Und in der Tat scheint es im ersten Konzertteil als würde das Salz der Variationen in der musikalischen Suppe fehlen. Das ändert sich in der zweiten Hälfte, in der es auch mal "schwungvoller" zugeht. Vollends überzeugend dann die kongeniale Version von Neil Youngs "Harvest" und das abschließende Duett mit Holly Miranda, die als Support-Act mit einer faszinierenden Stimme zwischen Feist und Coco Rosie brillierte.

Am Ende des Konzertes wird trotz der traurig-berührenden Matthew-Stücke niemand den Sprung in den Abgrund unternehmen, was daran liegt, dass zwischendurch immer wieder ein Hauch von Leichtigkeit und - ja - Hoffnung durch den Raum schwebt. Der Protagonist des Abends schafft es sogar, den Besuchern hier und da ein Schmunzeln auf die Gesichter zu zaubern. Etwa als er an einer Stelle den falschen Song anspielt und meint: "Jetzt werde ich wahrscheinlich von der Band entlassen."

scottmatthewmusic.com
myspace.com/scottmatthewmusic

Text: Stefan
Fotos: Cordelia



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