Lyriel "Paranoid Circus" (Femme Metal Records 2010)

Lyrisch sind sie auf alle Fälle, die Mittelhochteutschen. Keltische Klänge treffen auf (vermutlich) getriggerte Drumsounds, Violine und Cello wetteifern mit Synthieteppichen und Samples um die Gunst des Hörers und zarter vokaler Schmelz durchzieht dessen Gehörgänge. Auf alle Fälle wird Abwechslungsreichtum bei dieser Produktion groß geschrieben. Dafür sorgen Jessica Thierjung (Stimme), Oliver Thierjung (Gitarre und Chorgesang), Linda Laukamp (Cello, Chorgesang), Sven Engelmann (Bass), Markus Fidorra (Schlagzeug), Joon Laukamp (Violine) und Martin Ahmann (Keyboards). Als größtenteils gelungen können die immer wieder eingestreuten klassischen und folkloristischen Einflüsse betrachtet werden. Mehr Druck wünsche ich mir fürs nächste Mal aber auf alle Fälle aus dem Schlagzeugbereich. Hier muss es bei Forte-Passagen krachen und nicht nur wabern, wie dies vor allem beim Snaresound der Fall ist. (Wenn über die gesamte Spielzeit einer CD keinerlei Blastbeats auftauchen, sind die Grooves im Regelfall auch für technisch weniger versierte Trommler spielbar, auch ohne eine immer öfter selbst für Laien hörbare Quantisierung.) Dieses Gemäkel kommt zwar von einem passionierten Schlagwerker, der auf diesen Bereich besonderes Ohrenmerk legt, doch sollte das akustische Fundament einer Band stimmig sein, damit ein jeder Rezipient tatsächlich Fun beim Gutieren von Musik hat und sich völlig unvoreingenommen in die jeweilige Klangwelt fallen lassen kann. Das Gesamtsoundgewand ist allerdings absolut im grünen Bereich und sowohl für Fans von WITHIN TEMPTATION als auch von LOREENA MCKENNITT maßgeschneidert. Sehr schön - melancholisch bis elegisch - kommen die quasi kammermusikalischen Passagen rüber und weisen auf das in dieser Band schlummernde Potential hin, da sie zu den elektrifizierten Riffgewittern einen gelungenen Kontrast bilden.

lyriel.net
myspace.com/lyrielband
Frank Bender



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