Longing for Dawn - Between Elation and Despair (Grau, VÖ: 2009)

Longing for Dawn - "Between Funeral Doom Metal und Dark Ambient". Diese Beschreibung trifft die Musik der Kanadier wohl am Treffendsten, während der Albumtitel zunächst Manchen fragend hinterlassen wird, was bei solch pechschwarzer Musik denn bitte in Richtung "Elation" tendieren soll. Und doch, es ist diese Freude, diese Euphorie, die wirklich gut gemachter Funeral Doom durch seine erhabene Strahlkraft verbreiten kann, wofür das Paradebeispiel wohl immer die finnischen Altmeister Skepticism bleiben werden. Diese haben bei Longing for Dawn in der ein oder anderen Form sicher auch ihre Spuren hinterlassen, doch die Kanadier teilen das Faible für gar so exzessiven Minimalismus nicht. Ihre Stücke klingen für Genreverhältnisse fast schon opulent, zumindest sieht man sich stets einer dicht gewebten Klangkulisse gegenüber: Die Ambient-Strukturen werden organisch in die einzelnen Stücke eingewoben und sind damit statt bloß umrahmendem Stückwerk ein tragendes Element. Dazu klingen Longing for Dawn massiver denn je, die bei dieser Musik so wichtige Produktion des Schlagzeugs passt bis ins Detail und auch bei den Growls scheint noch etwas mehr Wucht dahinterzustecken.

Mit vier Stücken in gut 50 Minuten ist "Between Elation and Despair" dabei ganz ähnlich wie "A treacherous Ascension" strukturiert und hier ist auch das grundsätzliche Problem der Veröffentlichung zu verorten. Trotz Steigerungen im Detail auf bereits hohem Niveau gelingt es Longing for Dawn nicht, innerhalb der einzelnen Songs markante Unterscheidungsmerkmale zum eben genannten Vorgängeralbum herauszuarbeiten. "Between Elation and Despair" ist eine wunderbar schleppende und auch filigrane Einheit, die von durchgehender Eindringlichkeit geprägt ist, doch es fehlen die herausstechenden Akzente, welche die Aufmerksamkeit des Hörers über die gesamte Spielzeit einzig und allein binden. Und dort sehe ich "A treacherous Ascension" im Vorteil - oder zumindest wirkten die dort eingesetzten Mittel noch effektiver. Für jeden, der diese Veröffentlichung von 2007 sowieso noch nicht kennt, mag diese Kritik weitgehend unerheblich sein, doch der Kreis von Interessenten für diese Musik ist erfahrunsgemäß überschaubar und Longing for Dawn werden daher so oder so keine Heerscharen neuer Hörer rekrutieren können.

Wie bereits deutlich geworden sein sollte, bedeutet dies nun wahrlich nicht dass "Between Elation and Despair" ein schwaches oder gar misslungenes Album sei. Ganz im Gegenteil, es verfügt über unwiderstehliche Stärken, doch für die Zukunft werden Longing for Dawn zumindest wohldosiert an einer musikalischen Weiterentwicklung arbeiten müssen, um einer offenkundigen Stagnation zu entgehen.

Volker Schulz



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