LES TAMBOURS DU BRONX Live am 09.03.2007 in der Reithalle / Straße E, Dresden

Trommelfässer "to go"

Das Ambiente hätte nicht besser arrangiert werden können: Eine ehemalige Industriehalle in einem ehemaligen Industriegebiet diente als Kulisse für den Auftritt der französischen Trommeltruppe in Dresden. Les Tambours du Bronx - das ist nach mittlerweile 20 (!) Jahren Bühnenpräsenz noch immer ein einmaliges, fesselndes Erlebnis. Langsam rückt auch der Nachwuchs nach, so dass die Urbesetzung nur noch partiell trommelt. Obwohl inzwischen auch in deutschen Landen einige ähnlich gelagerte Bands existieren, bleibt das Original einfach das Original (so wie Nutella Nutella bleibt). Das sahen die vielleicht 800 Besucher zwischen 10 und 50 Jahren ganz ähnlich und ließen sich hypnotisieren von der Kraft und Archaik der Trommelrhythmen. Neunzig Minuten dauerte die "rituelle Messe", was gleichbedeutend ist mit der Tatsache, dass die 16 "Tambours" anderthalb Stunden nahezu ununterbrochen ihre mit Graffitis besprühten Ölfässer malträtierten. Das war Leistungssport pur. Dabei tropft nicht nur der Schweiß, nein er ergießt sich geradezu in Sturzbächen. So zeigten sich bereits nach Song Nummer Eins die ersten nackten Oberkörper. Deren Anzahl nahm mit zunehmender Konzertdauer zu - sehr zur Freude der Damen (und möglicherweise auch einiger Herren) in der Halle. Allein vier Männer schien der Stoff auf der Haut nicht zu stören, zumindest blieben sie bis zum Schluss bekleidet.
Immer nur trommeln finden offensichtlich selbst die Tambours du Bronx etwas eintönig und so bereichert ein DJ mit Soundsamples das Klangbild. Und auch die Stimme wurde als Instrument entdeckt: Abwechselnd zeigten sich einzelne Bandmitglieder von ihrer singenden bzw. "shoutenden" Seite. So wurde es nie langweilig, wozu auch das wunderbar auf die Trommelrhythmen abgestimmte Licht beitrug. Am Ende wurden die zerbeulten und nicht mehr zu verwendenden Ölfässer ins Publikum gereicht, nebst Trommelknüppeln. Der perfekte Weg, um die Bühne zügig aufzuräumen. Einige Besucher stellten daraufhin gleich einmal selbst ihre Trommelkünste unter Beweis, andere hatten ein nicht alltägliches Konzertmitbringsel für zu Hause ergattert. Und davon haben sogar die Nachbarn etwas.

tamboursdubronx.com

Stefan



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