Santiago Latorre "Órbita" (Accretions 11/2008)

Saxophon und Electronics. In mehreren übereinander gelegten Tonspuren eröffnet "canon" elegisch und geheimnisvoll die CD des in Barcelona ansässigen Musikers und Klangingenieurs. Im Alter von 11 Jahren begann Latorre, Saxophon zu spielen. Ein paar Jahre später kamen elektronische Experimente hinzu. Er komponierte Musik für Theater, Ballett, Videos und Werbung, unter anderem das klassische Ballettstück "Piel". Seit 2005 experimentiert er mit Saxophon, Akkordeon, Piano, Synthesizer und seiner Stimme.
Stücke zu konstruieren und dekonstruieren ist Ausdruck des Debütalbums "Órbita". Die 9 Tracks beinhalten experimentelle Sounds, die keinen Vergleich an populären Stilen suchen noch leichte Unterhaltung sein wollen. Und dennoch streben die erheblich schrägen und dabei unterhaltsam leichten Songs eingängig in solcherlei Musikkunst gewöhnte Ohren.
"Silence is the new loud" ist das Motto. Bisweilen geraten die elektronischen Spielereien dabei etwas in seichte Gewässer, wenn dezente Beats das verschrobene Klangbild untermalen, und zusätzlich ein Hafen-melancholisches Akkordeon sehnsüchtige Klänge anstimmt. Doch wohl niemand, der leichte Musik mag, wird diese Songs verstehen oder nachvollziehen wollen. Latorre beweist Sensibilität für folkloristische Klänge und modern getakteten Zeitgeist, ohne avantgardistische Disharmonien und jazzige Saxophonexperimente zu unterdrücken. Das hat bisweilen einen etwas eigenartig gespreizten Klang. Auf der einen Seite zur Lieblichkeit, auf der anderen zur Atonalität. Und das wird es dem potentiellen Publikum vielleicht nicht leicht machen, sich mit der Produktion auseinanderzusetzen, was ich jedoch nur empfehlen kann. Die Verbindung dieser beiden Enden passiert auf eine neue und mutige Art. Und öffnet die Freie Musikszene einem größeren Publikum.
Auf spanischen Jazzfestivals, in China und Hongkong ist Santiago Latorre mit seinen abstrakt-schmeichelhaften Klangcollagen jedenfalls gut angekommen.

santiagolatorre.com
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VM



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