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Larval "Obedience" (Cuneiform Records 2003)
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Larval ist das Projekt des Gitarristen und Komponisten Bill Brovold. "Obedience" ist bereits die 4. Veröffentlichung des experimentellen Musikers. Die drei vorherigen Veröffentlichungen waren von großen Ensembles eingespielt worden, sehr auf die Gitarre (besser Gitarren, teilweise waren bis zu 4 Gitarristen am Werk) orientiert. "Obedience" ist im Vergleich dazu ein kleines Projekt, gerade 9 Musiker sind involviert, neben Brovold gibt es nur einen weiteren Gitarristen. Die Gitarre ist melodisch und solistisch auch hier das führende Instrument, wenn die 5 Songs der CD auch eher Ensemble-dynamisch funktionieren. Bill Brovold ist im Ansatz mit avantgardistischen Gitarristen wie Fred Frith oder Robert Fripp vergleichbar. Wenn sein Spiel sich auch deutlich von genannten unterscheidet, so ist doch die Orientierung die gleiche. Brovold ist melodischer als Frith und mehr Free Form als Fripp. Als Komponist ist er nicht leicht vergleichbar, die Songs, allesamt episch lang und improvisativ, haben eigenen Charakter. Larval bedienen keine Clichés, sondern entwerfen schwerfällige, aber dynamische Motive, die wie aus einem Guss scheinen. Nicht rhythmische Brüche bezeichnen Veränderungen, sondern betonte Dynamikwechsel zwischen rockbetonter, forscher Facette und melancholischer Atmosphäre. In einem Stück kann die Stimmung von schnoddriger Hitzigkeit zu schrulliger Lässigkeit hin und zurück schwanken. Das eröffnende "Last Ditch" ist so ein Stück, noch am ehesten mit herkömmlicher Rock-Struktur zu vergleichen. Das folgende "Something Terrible Is About To Happen" setzt auf minimalistische Effekte, die wie Hypnose über den Hörer einbrechen, die "schwebende" Stimmung erlaubt einem melodischen Motiv (Violine, Cello), darüber eine sehnsuchtsvolle Romanze zu setzen. Im Mittelteil versandet das Thema, um einem zarten Harfen-Solo Raum zugeben, aus dem das Thema erneut minimalistisch ansetzt. Beeindruckend arrangiert! Auch "When Bullet Meets Flesh" ist ein zart-verhangenes Stück, das von einem moderaten und im Klang dunkel verhallten Piano begonnen wird, bevor sich ein zackiges, humorvoll-melancholisches Motiv einschleicht, das an eine trauernde Zirkuskapelle erinnert. "Her Last Good Day" ist Evelyn Brovold gewidmet. Von episch-lyrischer Natur, getragen und gefasst, macht das Stück tiefe Gefühle offenbar. Die Komposition ist von großer Kunst, gehaucht, zart und warmherzig. Ein schlichtes Vibraphone-Motiv unterstreicht dies bemerkenswert. Der letzte Track lässt sich viel Zeit. So knarzt, rauscht und brummt die Gitarre ganze sieben Minuten lang, bis sich aus der lärmigen Stille ein melodisches Motiv entwickelt, das nur aus schlichtem Schlagzeugtakt, dem Melodiemuster der Bassgitarre und der minimalistischen Gitarre besteht. Larval machen unkonventionelle, ungewöhnliche, anspruchsvolle Musik. Wer sich dieser lyrisch-sperrigen Avantgarde öffnet, findet eine Musiksprache, die aus simplifizierten und komplizierten Motiven hoch spannungsvoll aufgebaut ist, der man süchtig erliegen kann. Trotz der heute an blöd orientierten Popmusik zeigen progressive Musiker immer wieder neue Wege auf, wie eigenständig und phantasievoll Rockmusik immer wieder sein kann.
cuneiformrecords.com
VM
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