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LAIBACH Live am 09.12.2006 im Star Club Dresden
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Die Demontage des "Völkischen"
Die sich um Laibach-Auftritte rankenden Legenden sind ohne Zahl. Eine davon besagt, dass die Suggestivkraft der Kulttruppe ausreicht, ihr Publikum wie unter Hypnose im Stechschritt kreisförmig durch den Saal marschieren zu lassen. Nun, dazu ist die kontrovers besprochene jüngste Veröffentlichung "Volk" wohl nicht geeignet. Bei den 14 Nationalhymnen-Adaptionen auf diesem Werk geht es eher sanft zu, zumindest, wenn man Laibach-Maßstäbe ansetzt. Was dann auch die zahlreich erschienenen Fan-Veteranen der Slowenier verunsichert haben dürfte, die Ovationen, zumindest im ersten Konzertteil, waren doch ein wenig verhalten. Unvoreingenommen betrachtet, boten Laibach aber ganz großes Kino, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Den musikalischen Wert von "Volk" separat zu betrachten führt nämlich am Thema vorbei, man muss dieses Gesamtkunstwerk gesehen haben. Und in diesem Gesamtkunstwerk spielen die erstklassig komponierten Visuals im Bühnenhintergrund fast eine größere Rolle als die Musiker, die den Soundtrack dazu liefern. Wobei die Bühnenpräsenz von Frontmann Milan Fras und Gastsängerin Mina Spiler unbestritten ist, letztere war nicht nur optisch, sondern auch akustisch eine Offenbarung. Angenehm auch, dass Laibachs Lieblingsthema, das provokative Kokettieren mit faschistoiden Symbolen und Aussagen, bei "Volk" eher in den Hintergrund tritt, die Pointe dafür viel subtiler ist: Im Kraftfeld von Bild und Ton, im unablässigen Zitieren von nationalen Symbolen und heiligen Kühen aus aller Herren Länder und deren Demontage wird klar, wie lächerlich "völkische" Bezugssysteme im Grunde doch sind. Insofern ist die Visualisierung des neusten Albums eine konsequente Fortführung und Weiterentwicklung des Laibach-Oeuvres.
Im zweiten Teil des Abends sollten dann auch altgediente Fans auf ihre Kosten kommen. Mina wurde durch Milan Fras' übliche martialische Grazien ersetzt und der bewährte "NATO"-Sound schepperte von der Bühne. Die einen hat's gefreut - die Massen kamen nun doch ziemlich in Bewegung - die anderen werden sich gefragt haben, warum die Eigenständigkeit und Prägnanz des ersten Teils durch mittlerweile doch etwas antiquiert und inflationär wirkenden Industrial-Techno geschmälert werden musste.
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