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John Surman "Flashpoint NDR Jazz Workshop - April '69" (Cuneiform Records, 01/2011)
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Was heutzutage so an Kultur, speziell Jazz im NDR läuft, muss zuerst mit der Lupe gesucht werden und ist dann zumeist konservatives Langweilertum, mit einigen wenigen Ausnahmen. In den Sechzigern und Siebzigern war das noch ein wenig anders, zwar ist wohl wenig nur gut an der alten Zeit, wie jede Zeit nur wenig bleibend Gutes hat, und doch dies ist so etwas. Am 25. Mai 1969 waren John Surman (ss, bs), Alan Skidmore (ts, fl), Ronnie Scott (ts), Mike Osborne (as), Malcolm Griffiths (pos), Erich Kleinschuster (pos), Kenny Wheeler (tr, fl-h), Fritz Pauer (p), Harry Miller (b) und Alan Jackson (dr) (ein Großteil des Personals arbeitete, unter anderem, vielfach mit Graham Collier) im Hamburger Studio des Norddeutschen Rundfunks (NDR), die 5 Songs einzuspielen und aufzunehmen, die jetzt als "Flashpoint" auf CD + DVD zu sehen und hören sind.
Cuneiform Records gibt an die Presse nur noch vereinzelt echte Produktionen aus, die Muster werden als Download angeboten (so wird es umständlich, die technischen Daten der Produktion zu finden und nutzen), mir liegen nur die Audiospuren als MP3 vor, das Videomaterial habe ich nicht gesehen, bis auf den einen Track, der auf der Cuneiform-Webseite zu finden ist.
"Way Back When" von 2005 (ragazzi-music.de/surmanjohn.html) ist ein phänomenales Werk, in der gleichen erlesenen Qualität hält sich "Flashpoint" auf, das große Ensemble spielt sehr flüssig und inspiriert. Die 5 zwischen 5 und 8 Minuten langen Songs, noch komplett frei von Jazzrock, im Geist der späten 60er, radikal und modern, aber ohne größere Free-Ergüsse, haben ein illustres Rhythmusgerüst, das enorm federt, straff organisiert ist, auf Swing-Basis im Background arbeitet, für energische Parts das Schlagzeug aber an den Bühnenrand schiebt. Bass und Piano haben äußerst schönes melodisches Spiel, energisch gespielt, Harry Miller geht ganz in den Songs auf, ohne sich in den Vorgrund zu drängen weiß er nicht nur Harmoniefarben zu illuminieren, sondern weit mehr, hervorragende und mitreißende Melodie ungemein rhythmisch und facettenreich zu spielen, sehr dynamisch und dabei höchst inspiriert. Fritz Pauer ist deutlich konservativer, und doch gut unterwegs. Alan Jackson am Schlagzeug ist ganz in sich gekehrt, bricht den Rhythmus stetig und setzt markante Eckpunkte. Nicht John Surman allein ist am Gebläse solistisch aktiv. Das Bandinterplay hält sich in den Themen geschlossen, probiert gar mal Big Band, um stetig auszubrechen und improvisative Haken zu schlagen. Kenny Wheelers bläst seine Trompete mit Inbrunst, spielt warme Farben in rasanter Spielfreude, die Posaunen brechen ein wenig mehr in freie Geschehen aus, wo die Saxophone die markantesten Punkte setzen, und gewiss, John Surman weiß sich durchzusetzen, ohne seine Band ins Off zu drängen. Die Aufnahmen zeugen von hoher Konzentration, großer Energiefreisetzung, heftiger Dynamik und Rasanz, von ungezügelter Spielfreude. Die Musiker werden im Anschluss daran kaum zu bremsen gewesen sein. Wer dieser Art energische Musik, frei und ohne Korsett, gebunden nur in Komposition, im technischen Handwerk, in der Inspiration und im improvisativen Verständnis, so locker und exzellent zu spielen weiß, fühlt sich frei und unbezwingbar und hat eine überbordende Energie in sich, die das Ensemblespiel jedem Teilnehmer zurückgibt.
Meilenstein.
johnsurman.com
cuneiformrecords.com
VM
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